ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2009Börsebius: Schiffsfonds saufen ab

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Börsebius: Schiffsfonds saufen ab

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LNSLNS Containerschiffe zählten jahrelang zu den Juwelen am Markt für Beteiligungsmodelle. Vor allem Steuerberater hielten ganz gerne ihren Kunden die Dinger unter die Nase, natürlich nicht, weil sie teilweise auch Vermittlungsprovisionen erhielten, sondern aus purer Nächstenliebe. Ich selbst war nie ein Freund dieser geschlossenen Schiffsfonds – zu lange Laufzeit, zu lange an der Backe, wenn es schief- geht, und das unternehmerische Risiko schien mir insgesamt zu hoch.

Nun ist es also offenbar so weit. Immer mehr Schiffsfonds saufen kläglich ab. Von den rund 4 500 Containerschiffen haben derzeit 500 überhaupt keine Charter, und die anderen müssen zu dramatisch gesunkenen Frachtraten über die Weltmeere schippern, um überhaupt eine Handvoll Dollars einzuspielen.

Damit ist sofort einsichtig, dass bei vielen Schiffsbeteiligungen die blanke Not eingekehrt ist, das hereinkommende Geld (cash flow) reicht noch nicht mal zur Deckung der Betriebskosten. Für Zinsen und Tilgungen bleibt nichts übrig, an Ausschüttungen für Anleger ist eh nicht zu denken. Mindestens 70 Schiffsfonds sind havariert, will heißen, elf Beteiligungen sind bereits insolvent, fünf stehen kurz davor, vier Frachter wurden notverkauft, und beim Rest besteht akuter Sanierungsbedarf.

Für manche Anleger hat der bittere Teil der Veranstaltung bereits begonnen, anderen steht er noch bevor: Geld soll nachgeschossen werden, damit die Fonds überleben können. Beim Fondshaus Hamburg haben die Anleger in zwei Fällen bereits zugestimmt, frisches Geld einzuschießen, das Management ist auch für die übrigen noch anstehenden Gesellschafterversammlungen zuversichtlich, eine Mehrheit für fresh money zu bekommen. Auch andere Anbieter ersuchen derzeit ihre Gesellschafter mit Nachschussforderungen um frisches Geld (HEH, König&Cie sowie Ownership).

Was ist, wenn die Anleger nicht zahlen können oder nicht zahlen wollen? In solchen Fällen ist dann die Insolvenz unvermeidlich, so geschehen im Juli 2009 bei der „MS Mar Catania“ aus dem Fonds Shipping Select XV von HCI.

So bleibt den armen Betroffenen letztlich die mutmaßlich bessere Alternative, die Faust in der Tasche zu machen und dem Fonds das Überleben durch Nachzahlungen zu sichern, bevor alles weg ist, wobei es hier natürlich wie immer auf den tatsächlichen Einzelfall ankommt.

Wo die Not am größten ist, sind die Trommeln (anderer) am lautesten zu hören. Die Krise der Schiffsfonds lockt Schnäppchenjäger an, und etliche Anbieter jubeln darüber, dass nun in diesem Beteiligungsbereich der goldene schnelle Euro zu machen sei. Gebrauchte Anteile an geschlossenen Schiffsfonds seien jetzt der Hit, heißt es, weil atemberaubend günstig. Doch Vorsicht, billiger Schrott, wiewohl glänzend verpackt, bleibt billiger Schrott.
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