ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2009Posttraumatische Belastungsstörung: Eine komplexe Aufgabe

EDITORIAL

Posttraumatische Belastungsstörung: Eine komplexe Aufgabe

Gieseke, Sunna

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LNSLNS Kaum ein anderes Ereignis der jüngeren Geschichte wird so sehr mit dem Begriff Trauma verbunden wie die Terroranschläge auf die Türme des New Yorker World Trade Centers. Noch heute gedenken viele Menschen am 11. September der Geschehnisse vor mittlerweile acht Jahren. Naturkatastrophen, Kriege, Unfälle – es gibt zahlreiche tragische Ereignisse, die Menschen traumatisieren können. Die Folgen belasten die Betroffenen zum Teil noch Jahre später.

So auch bei den politischen Gefangenen der ehemaligen DDR. Verhöre in der Nacht, Isolierung und Informationssperren für die Häftlinge waren nicht selten. Erkrankungen wurden oftmals gar nicht oder nur unzureichend versorgt – aber vor allem die seelischen Wunden sind bis heute nicht verheilt (dazu mehr auf Seite 406).

Traumatisierende Erlebnisse geschehen aber nicht nur durch Katastrophen oder politische Unterdrückung, sondern können Einzelne auch in ihrer ganz persönlichen Lebenswelt treffen. Nicht zu unterschätzen ist die Traumatisierung von Menschen durch häusliche Gewalt. Diese verletzt – mit den oft schweren körperlichen und psychischen Folgen – das Sicherheitsbedürfnis der Menschen besonders massiv. Gerade für Kinder als Zeugen oder direkt Betroffene bleibt Gewalt in der Familie nicht ohne Folgen für die seelische und körperliche Gesundheit – und sie kann auch zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen. Das Ausmaß wurde bei Kindern bisher unterschätzt. Die Symptome können je nach Alter und Individuum variieren (lesen Sie mehr dazu auf Seite 413).

Noch immer wissen nur wenige betroffene Menschen, an wen sie sich wenden und welche Hilfsmaßnahmen ergriffen werden können. Der Zugang zu Hilfsangeboten sollte daher unbedingt erleichtert werden. In Deutschland einmalig ist das „Traumanetz Sachsen“ – ein landesweiter Zusammenschluss von Traumaexperten. Das Netz versteht sich als Informationsbörse für traumatherapeutische Beratungs- und Therapieangebote in Sachsen. Unter anderem sollen Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den helfenden und beratenden Einrichtungen ermöglicht werden.

Besonders wichtig ist es, eine PTBS rechtzeitig zu diagnostizieren. Zwar ist das Bewusstsein für die Folgen bei den Betroffenen gestiegen, doch noch lange sind nicht alle Aspekte erforscht. Unter anderem mangelt es an Einrichtungen für eine Akutversorgung der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Noch wichtiger wäre es aber, mehr Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten speziell auszubilden, damit Kinder und Jugendliche schnellstmöglich kompetent versorgt werden können. Bisher hat die Behandlung von PTBS noch nicht den Stellenwert in der Ausbildung, den sie dringend bräuchte.

Das Problem der PTBS ist komplex und fordert Psychologische und ärztliche Psychotherapeuten in allen Facetten: Gerade kürzlich hat die internationale Ärzteorganisation „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs“ in einem offenen Brief an Verteidigungsminister Franz Josef Jung gegen den Afghanistan-Einsatz protestiert. Immer mehr Soldaten erlitten bei dem Bundeswehreinsatz schwere Traumatisierungen (mehr dazu auf Seite 390).
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