ArchivDeutsches Ärzteblatt22/1997Kolorektale Karzinome: Vorsorge lohnt sich

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Kolorektale Karzinome: Vorsorge lohnt sich

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Dickdarm- und Rektumkarzinome haben eine erbliche Komponente. Risikogruppen sollten besonders früh, gründlich und regelmäßig untersucht werden. Auch für die Allgemeinbevölkerung ist Vorsorge wichtig. Wird ein Adenom früh erkannt, kann der Patient meistens geheilt werden. Der 1. Deutsche Darmtag unter dem Motto "Gib dem Darmkrebs keine Chance" verfolgte das Ziel, die Hausärzte daran zu erinnern, daß durch Screening-Untersuchungen die Sterberate deutlich gesenkt werden kann.


Kolorektale Karzinome sind eine der häufigsten bösartigen Erkrankungen in Deutschland. Seit 1970 hat die Zahl der Todesfälle wegen dieses Tumors um 50 Prozent zugenommen, so daß jährlich über 30 000 Menschen in der Bundesrepublik an diesen Tumoren sterben. Dabei wäre dieser Darmkrebs gut zu erkennen und in vielen Fällen zu heilen. Werden die Angebote zur Vorsorgeuntersuchung regelmäßig in Anspruch genommen, sinkt das Risiko, an einem Kolonkarzinom zu sterben, um ein Drittel, so M. Classen (München). Leider wird die angebotene und von den Kran-kenkassen bezahlte Früherkennungsuntersuchung nur von einem sehr kleinen Teil der Bevölkerung genutzt.
Für einige Personen ist die Entwicklung von kolorektalen Karzinomen bis heute unabwendbar im Genom verankert. Sie zeigen Chromosomen-Veränderungen und tragen zahlreiche Polypen an der Darmschleimhaut. Bei nahezu jedem Betroffenen wird daraus ein Malignom. In diesen Fällen ist die Vorbeugung radikal: das gesamte Kolon muß reseziert werden.
Bei allen anderen Patienten entstehen kolorek- tale Karzinome aus einem Zusammentreffen mehrerer ungünstiger Faktoren, und nur bei rund zehn Prozent von ihnen spielt eine familiäre Disposition eine Rolle. Aber in 90 Prozent der Fälle sind Umweltfaktoren die Ursache der Karzinogenese. Allein die Umstellung der Ernährung sowie der Verzicht auf Rauchen und Alkohol würde einen hohen Prozentsatz der Malignome vermeiden.
Ein Suchtest bei beschwerdefreien Personen im Rahmen der Vorbeugeuntersuchung führt zu einer Vorauslese aufgrund der Tatsache, daß etwa 80 Prozent aller kolorektalen Karzinome und rund 50 Prozent aller größeren Adenome im Kolon intermittierend bluten. Lange vor dem Auftreten von sichtbaren Blutbeimengungen im Stuhl vermag der Haemoccult®-Test okkultes Blut aufzudecken, erinnerte M. Strauch (München). Der Haemoccult®-Test ist eine anerkannte Methode zur Früherkennung kolorektaler Karzinome. Gut 60 bis 70 Prozent der dadurch aufgedeckten Tumoren sind noch im Dukes-Stadium A oder B und damit noch chirurgisch zu heilen. Als Früherkennungsprogramm bei asymptomatischen Personen wird nach Strauch folgendes Vorgehen empfohlen: Ab dem 45. Lebensjahr sollte jährlich bei Männern wie bei Frauen eine digitale rektale Untersuchung und ein Haemoccult®-Test durchgeführt werden. Ab dem 50. Lebensjahr sollte zusätzlich alle drei bis fünf Jahre eine Rektosigmoidoskopie vorgenommen werden. Das Risiko, an einem kolorektalen Karzinom zu erkranken, liegt in der Allgemeinbevölkerung bei drei bis fünf Prozent. Dieses Risiko kann bei bestimmten Personen um ein Vielfaches erhöht sein. Dazu zählen Personen mit kolorektalen Adenomen, familiärer Adenomatosis coli, Gardner-Syndrom, Peutz-Jeghers-Syndrom sowie entzündlichen Darm­er­krank­ungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Auch das sogenannte "Krebsfamilien-Syndrom" beinhaltet eine hohe Inzidenz von rechtsseitigen Kolontumoren, eine Neigung zu multiplen Tumoren und einen Erkrankungsbeginn vor dem 45. Lebensjahr. In allen diesen Fällen ist eine endoskopische Un-tersuchung in regelmäßigen Abständen angesagt (siehe Kasten). Siegfried Hoc


Vorsorge bei Risikopatienten
Familiäre Adenomatosis coli:
! Ab dem zehnten bis zwölften Lebensjahr Sigmoidoskopie halbjährlich
! Gastroskopie alle zwei bis drei Jahre
! nach Kolektomie mit ileorektaler Anastomose Rektoskopie halbjährlich.
Peutz-Jeghers-Syndrom:
! Koloskopie alle drei Jahre.
Krebsfamiliensyndrom:
! Ab dem 30. Lebensjahr Koloskopie alle fünf Jahre, nach Adenomnachweis Koloskopie vierteljährlich.
Colitis ulcerosa:
! Ab dem zehnten Erkrankungsjahr Koloskopie mit Stufenbiopsie jährlich.
Ureterosigmoidostomie:
! Ab dem zehnten postoperativen Jahr Sigmoidoskopie alle zwei bis drei Jahre.
Uteruskarzinom (Z. n. Radiatio):
! Koloskopie alle drei bis fünf Jahre.

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