ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2009Pyschotherapie: Wenn Therapeuten nicht abschalten können

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Pyschotherapie: Wenn Therapeuten nicht abschalten können

MS

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LNSLNS Psychotherapeut oder Psychologe sein bedeutet, sich täglich intensiv mit Menschen und ihren Schicksalen zu befassen. Da bleibt es nicht aus, dass Gedanken oder Gespräche auch nach Feierabend weiter durch den Kopf gehen. Solange dies nur ab und zu passiert, besteht kein Grund zur Sorge. Ist jedoch kein Abschalten mehr möglich, weist dies auf ernst zu nehmende Probleme im Berufsleben hin. Zu diesem Ergebnis kamen Psychologen der Universitäten Nottingham, Haifa und Chicago, die 1 040 Psychotherapeuten aus den USA, Kanada und Neuseeland befragt hatten, ob und wie häufig sie zwischen Therapiesitzungen und in der Freizeit an ihre Patienten dachten. Es zeigte sich, dass 61 Prozent der Befragten zwischen den Sitzungen häufig überlegten, wie sie den Patienten gezielt helfen könnten; darunter waren vorrangig kognitiv-behavioral orientierte Therapeuten. 54 Prozent dachten an Gespräche, an die Emotionen der Patienten und an ihre eigenen Gefühle gegenüber den Patienten; darunter befanden sich vor allem psychodynamisch orientierte Therapeuten. Relativ häufig waren auch Therapeuten mit eigenen Therapieerfahrungen und langjährig praktizierende Therapeuten in Gedanken bei ihren Fällen. Es zeigte sich ein Zusammenhang zwischen dem Nicht-abschalten-Können und beruflichen Problemen, wie etwa dem Gefühl von Machtlosigkeit, das sich einstellte, wenn es nicht gelang, Patienten in einer schwierigen Lage zu helfen. Das gedankliche Verhaftetsein zusammen mit beruflichen Problemen hatte vorwiegend negative Auswirkungen. „Vor allem Privatleben, Zufriedenheit und emotionales Wohlbefinden wurden beeinträchtigt“, so die Autoren. ms

Schröder T, Wiseman H, Orlinsky D: You were always on my mind: Therapists’ intersession experiences in relation to their therapeutic practice, professional characteristics, and quality of life. Psychotherapy Research 2009; 19(1): 42–53. Thomas Schröder, University of Nottingham, Institute of Work, Health and Organisations, Nottingham (UK), E-Mail: Thomas.schro der@nottingham.ac.uk
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