ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2009Fortgeschrittenes Rektumkarzinom vor der Op bestrahlen

AKTUELL: Akut

Fortgeschrittenes Rektumkarzinom vor der Op bestrahlen

Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS Werden Patienten mit fortgeschrittenem Mastdarmkrebs vor der Operation bestrahlt, so verringert sich die Wahrscheinlichkeit für Tumorrezidive. Dies gelte auch bei optimal reseziertem Tumor, meinen Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie anlässlich einer kürzlich im „Lancet“ (2009; 373: 811–20) veröffentlichten Studie. Deshalb sollte die Strahlentherapie fester Bestandteil der Behandlung dieser Patienten sein.

Bei Mastdarmkrebs ist die Operation das wichtigste Therapieverfahren. Die totale mesorektale Exzision (TME) gilt als optimale chirurgische Therapie. Sie verringert nicht nur die Rückfallrate erheblich, sondern schont auch Nervenbahnen, die für Blasen- und Sexualfunktion verantwortlich sind. Patienten in fortgeschrittenen Krankheitsstadien werden außerdem bestrahlt oder erhalten eine Strahlenchemotherapie. Bislang war aber unklar, ob eine Radiotherapie generell erforderlich ist, auch nach TME, oder selektiv nur dann, wenn sich noch Tumorzellen im Randbereich des entfernten Darmabschnitts finden.

Jetzt plädieren die Radioonkologen dafür, alle Patienten mit fortgeschrittenem Rektumkarzinom zu bestrahlen – am besten bereits vor der Operation, aber auch nach vollständiger Entfernung des Tumors. Ein internationales Forscherteam um Dr. David Sebag-Montefiore vom St. Jame’s University Hospital (Leeds, Großbritannien) hat 1 350 Patienten an 80 Zentren für die Vergleichsstudie rekrutiert.

Die Hälfte der Patienten wurde operiert und nur dann bestrahlt, wenn das Operationsergebnis nicht zufriedenstellend war. In der anderen Gruppe erhielten alle Patienten bereits vor der Operation eine Strahlentherapie.

Diese präoperative Radiotherapie hat die Zahl der Tumorrückfälle im Darm in den ersten drei Jahren deutlich gesenkt, von 10,6 Prozent auf 4,4 Prozent. „Ein positiver Effekt wurde auch bei jenen Patienten beobachtet, bei denen die Chirurgen ein optimales Ergebnis erzielten“, erläuterte Prof. Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Campus Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Die besten Therapieergebnisse wurden durch die Kombination von Bestrahlung und TME erzielt.

„Die präoperative Radiotherapie ist aus Sicht der Strahlentherapie genauso wichtig wie eine optimale Operation“, sagt Prof. Dr. med. Volker Budach (Charité – Universitätsmedizin Berlin). Bei einigen Patienten könnte als dritte Komponente eine Chemotherapie die Ergebnisse noch weiter verbessern. nsi
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