ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2009Randnotiz: Schwein gehabt?
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LNSLNS Manchmal klafft ein breiter Spalt zwischen privater und öffentlicher Wahrnehmung. So auch beim Umsichgreifen der Neuen Influenza, vulgo Schweinegrippe. Glaubt man den offiziellen Angaben über bestätigte Infektionen, hat sich die Verbreitung der Seuche in Deutschland merklich verlangsamt, die Zahl der Neuansteckungen geht zurück. Zwar wird vor einer zweiten Erkrankungswelle im Herbst gewarnt, doch insgesamt registriert man in den Medien verhaltene Entspannung. Die subjektive Wahrnehmung sieht dagegen anders aus. Wurden vor den Sommerferien noch Schulklassen nach Hause geschickt, wenn es gerade mal einen Schüler erwischt hatte, so fällt jetzt in einer gymnasialen Oberstufe die Hälfte der Schüler mit dem Verdacht auf Neue Influenza aus – und keinen kümmert es. Schnell ist man natürlich mit dem Verdacht zur Hand, lernunwillige Pennäler nutzten die Gelegenheit, sich mit ein wenig vorgetäuschtem Reizhusten und angeblichen Gliederschmerzen eine schulfreie Woche zu verschaffen. Eine bestätigte Infektion setzt allerdings einen Test voraus, der nicht umsonst zu haben ist. 50 bis 80 Euro müssen die Betroffenen aus eigener Tasche für einen Gentest aufbringen, wollen sie Gewissheit haben. Den Schnelltest, der eine 50-prozentige Fehlerquote aufweist, bezahlt gelegentlich die Krankenkasse. Den Betroffenen ist es ziemlich egal, ob sie sich mit neuer oder alter Influenza angesteckt haben, solange der Krankheitsverlauf weiterhin so milde ist, und gerade diejenigen, die ohnehin nur wenig haben, werden davon keinen Test bezahlen wollen, der allein im öffentlichen Interesse ist. Vielleicht rollt die Welle also schon – und taucht in keiner Statistik auf.
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