ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2009Gesetzliche Unfallversicherung: Nach einem Arbeitsunfall zum Durchgangsarzt

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Gesetzliche Unfallversicherung: Nach einem Arbeitsunfall zum Durchgangsarzt

Rose, Christina

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Als Vertreter der gesetzlichen Unfallversicherung regelt der D-Arzt die Behandlung.

Wer nach einem Unfall am Arbeitsplatz oder auf dem Weg dorthin länger als eine Woche behandelt wird oder arbeitsunfähig ist, muss in Deutschland einen Durchgangsarzt (D-Arzt) aufsuchen, um die Kosten für eine Behandlung über die gesetzliche Unfallversicherung abrechnen zu können. Der D-Arzt legt die weitere Behandlung fest und steuert das Heilverfahren. Auf dieses Verfahren hat die gesetzliche Unfallversicherung VGB hingewiesen.

Unternehmer müssen innerhalb von drei Tagen jeden Arbeits- oder Wegeunfall, der eine mehr als dreitägige Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat, der zuständigen Berufsgenossenschaft melden. Diese Dokumentation ist insbesondere für eventuelle Folgeerkrankungen sehr wichtig. Besteht eine Arbeitsunfähigkeit nicht über den Unfalltag hinaus oder dauert die Behandlung nicht länger als eine Woche, kann in diesem Fall auch ein Allgemeinmediziner die Behandlung vornehmen, ohne dass der Patient an einen D-Arzt überwiesen werden muss. Bei isolierten Augen- sowie Hals-, Nasen- oder Ohrenverletzungen sollte der Patient sofort einen Augen- oder HNO-Arzt aufsuchen. Bei Wiedererkrankungen aufgrund eines Arbeitsunfalls muss generell der D-Arzt aufgesucht werden.

3 500 D-Ärzte bundesweit
Der Durchgangsarzt ist von der Erstversorgung über die Rehabilitation bis hin zur Festlegung von Entschädigungsleistungen koordinierend tätig. Dabei hat er Kontakt zu dem behandelnden Arzt, der Unfallklinik, Rehabilitationszentren, der zuständigen Unfallversicherung und dem Berufshelfer. Bei einem Arbeitsunfall ist die freie Arztwahl eingeschränkt: Wenn eine Vorstellung beim D-Arzt vorgeschrieben ist, kann der Patient nur noch zwischen verschiedenen Durchgangsärzten an seinem Ort wählen. Dieser entscheidet, ob die Heilbehandlung beim Hausarzt durchgeführt wird oder wegen Art und Schwere der Verletzung eine Therapie erforderlich ist, die er dann selbst durchführt. In Fällen der hausärztlichen Behandlung überwacht er den Heilverlauf und führt eine Abschlussuntersuchung durch. Des Weiteren darf nur der Durchgangsarzt Heilmittel oder Hilfsmittel verordnen. Durchgangsärzte sind Fachärzte für Chirurgie oder Orthopädie und Unfallchirurgie mit besonderen Erfahrungen und Qualifikationen in der Unfallchirurgie. Die Zulassung erfolgt auf Antrag bei der zuständigen Landeskammer der Berufsgenossenschaft. Bundesweit sind 3 500 niedergelassene sowie an Krankenhäusern und Kliniken tätige Ärzte als Durchgangsärzte anerkannt.

Die Landesverbände der Berufsgenossenschaften beteiligen nur geeignete Ärzte mit entsprechender Ausstattung am Durchgangsarztverfahren. So müssen Räume für invasive Eingriffe sowie ein Röntgenraum vorhanden sein, und die Praxis muss für Liegendkranke zugänglich sein. Des Weiteren müssen immer zwei medizinische Assistenzkräfte anwesend sein, und der D-Arzt muss eine durchgängige Bereitschaft in der Zeit von 8.00 bis 18.00 Uhr an Wochentagen und 8.00 bis 13.00 Uhr an Samstagen gewährleisten. Weiterhin bestehen umfangreiche Dokumentations-, Berichterstattungs- und Begutachtungspflichten.

Eine Sonderform ist das H-Arztverfahren. Dabei beteiligen die Landesverbände der Berufsgenossenschaften Ärzte an der Heilbehandlung, die über besondere unfallmedizinische Kenntnisse verfügen. Sie sind von der Vorstellungspflicht beim Durchgangsgarzt ausgenommen und können eine Heilbehandlung nur bei bestimmten Verletzungen durchführen. Ein anderer Arzt darf jedoch nicht an einen H-Arzt zum Zwecke des D-Arzt-Verfahrens überweisen. Die Zulassungsbedingungen für einen H-Arzt sind weniger streng. So muss ein H-Arzt nicht Unfallchirurg sein, sondern lediglich unfallchirurgische Kenntnisse nachweisen. Bundesweit sind mehr als 3 000 Ärzte in dieses Verfahren vertraglich eingebunden. Zur Fortbildung der H-Ärzte bieten die Landesverbände der Berufsgenossenschaften regelmäßig Veranstaltungen an, zum Beispiel unfallmedizinische Tagungen.
Christina Rose
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