ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2009Carl Gustav Carus: Voller Schaffenskraft und Wissbegierde

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Carl Gustav Carus: Voller Schaffenskraft und Wissbegierde

Krannich, Stephanie

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Eine Vitrine mit Totenmasken. In der Ausstellung sind rund 30 Objekte aus Carus’ umfangreicher Abguss- und Schädelsammlung zu sehen. Foto: dpa
Eine Vitrine mit Totenmasken. In der Ausstellung sind rund 30 Objekte aus Carus’ umfangreicher Abguss- und Schädelsammlung zu sehen. Foto: dpa
Einen ganzheitlichen Blick auf den sächsischen Universalgelehrten gewähren die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und die Staatlichen Museen zu Berlin.

Ein langes und reiches Leben war mir gegönnt, und ich scheide davon als von keinem verfehlten Kunstwerk, vielmehr mit innigem Dank gegen Gott und mit aufrichtiger Liebe zu den Menschen.“ Das schrieb der Arzt, Naturwissenschaftler, Philosoph, Maler, Zeichner und Literat Carl Gustav Carus (1789–1869) am Ende seines von unglaublicher Schaffenskraft und Wissbegierde geprägten Lebens in sein Testament. Er gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, der mit den Größen seiner Zeit, zum Beispiel dem Chirurgen Johann Friedrich Dieffenbach, dem Augenarzt Albrecht von Graefe sowie Alexander von Humboldt und Johann Wolfgang von Goethe Kontakt pflegte.

In seiner Geburtsstadt Leipzig erfuhr er die Grundlagen seiner späteren enzyklopädischen Vielseitigkeit: Dort studierte er Medizin, Philosophie und Naturwissenschaften, hielt Vorlesungen zur vergleichenden Anatomie, leitete als junger Arzt ein Lazarett, arbeitete im Leipziger Entbindungsinstitut und als Armenarzt. 1814 wurde er nach Dresden berufen, wo er bis zu seinem Tod lebte, als Professor für Geburtshilfe und als Leiter des Entbindungsinstituts der provisorischen Lehranstalt für Medizin und Chirurgie. Er war Mitbegründer der Chirurgisch-Medizinischen Akademie, Ursprung der heutigen, nach ihm benannten Dresdener Universitätsklinik. Carus war 41 Jahre lang Leibarzt von drei sächsischen Königen. Er legte eine Vielzahl von Publikationen über Anatomie, Pathologie, Naturphilosophie und Psychologie vor. In „Psyche. Entwicklungsgeschichte der Seele“, 1846 veröffentlicht, schrieb Carus: „Der Schlüssel zur Erkenntnis vom Wesen des bewussten Seelenlebens liegt in der Region des Unbewusstseins.“ Dies markierte einen Meilenstein in der Entwicklung der Psychologie und gilt als Vorbote der Tiefenpsychologie. Die autodidaktisch ausgeübte Malerei gewährte ihm einen Ausgleich zu seiner Tätigkeit als Arzt und Wissenschaftler.

Bisherige Ausstellungen stellten Carus eher als Maler und Zeichner, der er ja nur „nebenberuflich“ war, es hierin aber zu außerordentlicher Perfektion brachte, in den Vordergrund. So ist er dem breiten Publikum eher als Künstler im Umkreis der Dresdener Romantiker um Caspar David Friedrich, mit dem er freundschaftlich verbunden war, ein Begriff. Unter dem Titel „Carl Gustav Carus. Natur und Idee“ gewährt nun die Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Staatlichen Museen zu Berlin einen ganzheitlichen Blick auf ihn als Universalgelehrten. Zu sehen sind rund 250 Gemälde und Zeichnungen von Carus sowie 50 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen seiner Zeitgenossen Caspar David Friedrich, Johan Christian Dahl, August Heinrich, Pierre Jean David d’Angers und Ernst Rietschel. Neben Carus künstlerischen Arbeiten zeugen seine hervorragenden naturwissenschaftlichen Illustrationen, wissenschaftlichen, kunsttheoretischen, literarischen Schriften und Briefe, ferner circa 30 Objekte aus seiner umfangreichen Abguss- und Schädelsammlung sowie medizinische Gerätschaften, anatomische Präparate und naturkundliche Zeugnisse von der thematischen Vielfalt seiner Interessen- und Betätigungsfelder.
Dr. med. Stephanie Krannich

Informationen
Wer sich intensiver mit Leben und Werk des herausragenden Carl Gustav Carus befassen möchte, dem sei sowohl der Katalog („Natur und Idee“) als auch der Essayband („Wahrnehmung und Konstruktion“), beide von ausgezeichneter Qualität, sehr empfohlen.

Die Ausstellung „Carl Gustav Carus. Natur und Idee“ ist bis zum 20. September in Dresden, im Semperbau, Gemäldegalerie Alte Meister und im Residenzschloss, Kupferstich-Kabinett zu sehen. Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr. Weitere Informationen unter Telefon: 03 51/49 14 20 00 oder im Internet unter: www.skd.museum.de. Vom 9. Oktober 2009 bis 10. Januar 2010 wird die Ausstellung in Berlin, Alte Nationalgalerie, präsentiert. Öffnungszeiten: freitags bis mittwochs 10 bis 18 Uhr, donnerstags 10 bis 22 Uhr, montags geschlossen. Weitere Informationen unter Telefon: 0 30/20 90 58 01 oder im Internet unter: www.alte-nationalgalerie.de.
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