ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2009Heinrich Hoffmann: „Lustige Geschichten und drollige Bilder“

KULTUR

Heinrich Hoffmann: „Lustige Geschichten und drollige Bilder“

Dtsch Arztebl 2009; 106(37): A-1804 / B-1550 / C-1518

Goddemeier, Christof

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Foto: dpa
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Vor 200 Jahren wurde der Arzt und Erfinder des „Struwwelpeter“ in Frankfurt am Main geboren.

Am 13. Juni 1809 wird Heinrich Hoffmann in Frankfurt/Main geboren. Der Vater ist Beamter. Weil er seinen eigenen Beruf nicht schätzt, legt er dem Sohn den Arztberuf ans Herz. 1829 beginnt Hoffmann mit dem Medizinstudium. „Durch eine ängstliche Betrachtung“ nimmt er davon Abstand, Chirurg zu werden: „Ich las irgendwo, dass Chirurgen öfters an Herzleiden stürben.“ Erste Erfahrungen sammelt er an der Frankfurter Armenklinik und in seiner eigenen Praxis. Als er den „Struwwelpeter“ erfindet, steht er kurz davor, die Leitung der Dr. Senckenbergischen Anatomie zu übernehmen.

Hans Guck-indie- Luft: eine der Geschichten, die Hoffmann in einer späteren Auflage des „Struwwelpeter“ ergänzte Foto: picture-alliance/akg-images
Hans Guck-indie- Luft: eine der Geschichten, die Hoffmann in einer späteren Auflage des „Struwwelpeter“ ergänzte Foto: picture-alliance/akg-images
Weihnachten 1844 sucht er nach einem Bilderbuch für seinen dreijährigen Sohn. Doch er findet nichts Passendes. Hoffmann entwirft selbst ein Kinderbuch. Dabei kommt ihm zugute, dass er immer wieder schreiende Kinder mit kleinen Zeichnungen und Geschichten ablenkt, während er an ihnen Puls, Temperatur und Atmung beobachtet. Beim Zeichnen und Reimen leitet ihn die Überzeugung, dass ein Kind am einfachsten durch Sehen lernt. Sechs „lustige Geschichten und drollige Bilder“ enthält die erste Auflage von 1845 des „Struwwelpeter“: den bösen Friederich, die schwarzen Buben, den wilden Jäger, Suppenkaspar, Daumenlutscher und Struwwelpeter. In weiteren Auflagen kommen Paulinchen, der Zappelphilipp, Hans Guck-in-die-Luft und der fliegende Robert hinzu. Hoffmann veröffentlicht zunächst unter den Pseudonymen Reimerich und Heinrich Kinderlieb, ab der fünften Auflage unter seinem eigenen Namen. Was als „Struwwelpeterei“ und „zufälliger häuslicher Scherz“ begann, ist heute weltweit bekannt. Der Erfolg zahlt sich auch finanziell aus: 600 bis 800 Gulden erhält Hoffmann jährlich, angesichts seines Jahresgehalts von 300 Gulden am anatomischen Institut eine beträchtliche Summe. Die „souveränen Säuglinge Germaniens“ verlangen weitere Bücher. 1851 erscheint „König Nußknacker und der arme Reinhold“, 1854 „Bastian der Faulpelz“ und 1871 „Prinz Grünewald und Perlenfein“.

1851 übernimmt Hoffmann die Leitung der Frankfurter „Irrenanstalt“. Hier wirkt sich vor allem Platzmangel negativ auf die Behandlung aus: Tobsüchtige sind in zu kleinen Zellen untergebracht, arbeitstherapeutische Maßnahmen scheitern daran, dass Acker- und Gartenbauflächen fehlen. 1859 beginnt man mit dem Bau einer neuen Anstalt außerhalb der Stadt, 1864 beziehen die Kranken die Gebäude. Noch im selben Jahr eröffnet die Anstalt eine Kinderstation. „Damit war die Hauptarbeit meines Lebens beendet, und für mich begann eine lange Reihe ruhiger Jahre voll gleichmäßiger innerer Arbeitstätigkeit“, schreibt Hoffmann. In seinen „Beobachtungen und Erfahrungen über Seelenstörung und Epilepsie“ (1859) sieht er Seelenstörungen und Geisteskrankheiten als körperlich bedingt an. 1894 stirbt Hoffmann in Frankfurt.
Christof Goddemeier
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