ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2009Elektronische Gesundheitskarte: Mehr Einfluss für Ärzte

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Elektronische Gesundheitskarte: Mehr Einfluss für Ärzte

Krüger-Brand, Heike E.

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Heike E. Krüger-Brand Redakteurin für Gesundheits- und Sozialpolitik
Heike E. Krüger-Brand Redakteurin für Gesundheits- und Sozialpolitik
Neuerdings ist die Politik sichtlich bemüht, die Verständigung mit den Ärzten über die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) zu verbessern und ärztliche Belange bei der Fortführung des Projekts stärker zu berücksichtigen. Wohl aus der begründeten Sorge heraus, dass sich ohne konstruktive Mitarbeit der Ärzte die bundesweite Kartenausgabe, die mit dem Basisrollout in der Region Nordrhein begonnen hat, abermals verzögern könnte. Denn noch üben die Ärzte eher Zurückhaltung beim Kauf eGK-fähiger Lesegeräte, sodass Experten einen Durchbruch bei der erforderlichen flächendeckenden Installation von Lesegeräten erst in den nächsten Wochen erwarten.

„Ärzte müssen wesentlich mehr mitgenommen werden als bisher“, betonte Mathias Redders vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS) beim Fachkongress IT-Trends Medizin in Essen. Daher werde für die weiteren Tests der Gesundheitskarte in der Region Nordrhein ein ärztlicher Beitrat eingerichtet, der künftig auf die Gestaltung des Projekts Einfluss nehmen könne.

Damit erfüllt das MAGS eine wesentliche Forderung der Ärzte, die sich bei den Tests bislang nicht ausreichend informiert und einbezogen fühlen. Der Beirat könnte zudem zur Klärung des nächsten Streitfalls im Projekt beitragen: der Frage nämlich, inwieweit der Online-Abgleich der Versichertenstammdaten für die Ärzte verpflichtend ist oder nicht. Nach den Plänen der Betriebsgesellschaft Gematik sollen ab dem ersten Quartal 2010 in der Testregion Bochum-Essen die „Testärzte“ das Online-Auslesen der Versichertenstammdaten erproben. Essen ist darüber hinaus auch als Region für die 100 000er-Tests vorgesehen. Insbesondere die Krankenkassen drängen auf die verpflichtende Netzanbindung der Ärzte, denn sie wollen die Versichertenstammdaten und den Zuzahlungsstatus ihrer Versicherten online auf der Karte aktualisieren und dadurch erhebliche Kosten einsparen.

Zwar ist mit der Anschaffung eines eGK-fähigen Lesegeräts allein noch nicht die Anbindung an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur möglich. Hierfür müssten die Arztpraxen zusätzlich noch mit einem zertifizierten Konnektor ausgestattet werden. Dennoch fürchten die Ärzte, unter Druck zu geraten: „Verpflichtet sich ein Arzt, wenn er die Kostenübernahme der Lesegeräte durch die Krankenkassen in Anspruch nimmt, später mit seiner Praxis online zu gehen, oder kann er frei entscheiden?“, fragte Dr. med. Christiane Groß, Telematikexpertin bei der Bundes­ärzte­kammer und der Ärztekammer Nordrhein. „Die Politik sagt ,Nein‘, die Krankenkassen sagen ‚Ja‘.“ Zwar habe man die Zusage des Ministeriums für die Freiwilligkeit, aber die Bundesmantelverträge seien nicht eindeutig. Auch sei zu fragen, was die Online-Anbindung für die Arztpraxis im Hinblick auf die Gewährleistung der Datensicherheit bedeute.

Der Beschluss der Gematik zur Online-Anbindung sei „missverständlich“, sagte hierzu Redders. Der ärztliche Beirat werde die Massentests der Online-Funktionalität im nächsten Jahr begleiten und zur Entscheidung über die Netzanbindung beitragen. „Wir erhoffen uns, dass der Beirat den Ärzten dann eine Empfehlung zum Thema gibt.“ Dabei wird sich auch erweisen, ob der ärztliche Beirat nur als Feigenblatt dient oder den Ärzten echte Mitspracherechte bietet.
Heike E. Krüger-Brand
Redakteurin für Gesundheits- und Sozialpolitik
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