ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/1996Gut gegen Diarrhoe und Erysipel

VARIA: Post scriptum

Gut gegen Diarrhoe und Erysipel

Pfleger, Helmut

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LNSLNS Solange sich ein Schachbuchautor auf die Feinheiten der Taimanow-Variante der Nimzo-Indischen Verteidigung beschränkt oder zum 347. Mal die Gangart von Turm und Läufer (letztere immer schräg!) erläutert, darf er sich eines gewissen Verkaufserfolgs sicher sein. Wehe aber, er unternimmt Ausflüge in die Kultur, Kunst oder Geschichte des Schachspiels, sein Stundenlohn läßt sich mühelos mit dem von Plantagenarbeitern in der dritten Welt vergleichen. Was manchen, Gott sei Dank, trotzdem nicht abhält! Der "Zeit"-Reporter Wolfram Runkel mit einer lebenslangen Liebe zum Schachspiel und seiner geheimnisvollen Welt hat nun "Schach-Geschichte und Geschichten" herausgebracht. Fazit vorneweg: Ein meisterhaft geschriebenes und gleichzeitig fundiertes Buch.
Wußten Sie beispielsweise, daß Hippokrates Schachspielen mit Erfolg gegen Diarrhoe und Erysipel verschrieben haben soll (S. 22)?! Ich nicht. Wußten Sie, daß "der Teufel stets dem Schach bietet und die Seele mattsetzt, der sündigen Gedanken nachhängt"? Im frühen Mittelalter "wurde Schach als psychiatrisches Heilmittel empfohlen. Zum Beispiel sollten Melancholiker durchgeplanten Spielstrategien folgen, während sich Phlegmatiker vor allem Schematismus zu hüten hatten. Auch die Dichter, die die Vorzüge des Schachs besangen, griffen mit Versen in die Diskussion ein, wie etwa Ibn Mu’tazz, Sohn eines schachspielenden Kalifen:
Du, der du mit zynischem Spott / unser geliebtes Schach tadelst / wisse, daß hier Geschicklichkeit eine Wissenschaft ist, / daß das Spiel Zerstreuung der Trauer bringt. / Es besänftigt die Sorgen der Liebenden, / es bewahrt den Trinker vor Ausschweifung, / es gibt dem Krieger Rat, / wenn Gefahr naht, wenn Untergang droht; / es gewährt, wenn wir ihrer am meisten bedürfen, / Gefährten unserer Einsamkeit." (S. 38)
Zum Abschied noch das Matt des Abu-Naam (S. 78) aus dem Buch des großen spanischen Königs Alfons X. des Weisen aus dem Jahre 1283:
Scheinbar ist der über das ganze Brett auf die 1. Reihe gezerrte schwarze König unrettbar verloren, das Matt durch Ta1+ oder Tb2+ nicht abzuwenden. Doch mit einer herrlichen Kombination gelingt Schwarz selbst ein dreizügiges Matt. Wie? Hoffentlich ist die Lösungssuche auch für Sie eine "gottgewollte Zerstreuung" (Alfons X.).

Lösung:
Mit einem doppelten Opfer konnte Schwarz das Schicksal noch wenden. Zuerst das Springeropfer 1. ... Sa4+!, das mit 2. Txa4 ebenso wie das folgende Qualitätsopfer 2. ... Txb3+ mit 3. Kxb3 angenommen werden muß – doch jetzt setzt der noch verbliebene Turm mit 3. ... Td3+ matt. Und der schwarze König steht auf einmal goldrichtig, um seinem weißen Widersacher lebensnotwendige Felder zu nehmen.

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