ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2009Randnotiz: Qualität 3.0
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LNSLNS Es war ja klar, dass der Qualitätsbericht 3.0 mit deutscher Gründlichkeit aufgebläht werden würde. Dass es eine Zusatzweiterbildung für Hämostaseologie und Gynäkologische Exfoliativzytologie gibt, war mir so nicht bekannt, und was bringt es dem elektiven TEP-Patienten, wenn er weiß, dass der Chirurg eine Zusatzqualifikation für Medizinische Informatik hat? Meine Anregung, doch endlich die Delfintherapie aufzuführen, wurde in den Listen leider nicht berücksichtigt. Dafür wird der nicht geschützte Begriff „Zentrum“ unter den besonderen Versorgungsschwerpunkten wie die Sau durchs Dorf getrieben. Vom Abdominalzentrum bis zum Zentrum für schwer Brandverletzte standen 49 Zentren zur Auswahl – nur das Einkaufszentrum fehlte noch. Für den Ausdruck des Berichts bei einer Klinik mit 14 Fachabteilungen wurden 500 Seiten generiert – und das nicht im XML-plus-Modus, wo man Angaben zur Parkplatzsituation, zu den Preisen für Schokoriegel in der Cafeteria machen und Aufnahmen vom Hubble-Teleskop einfügen konnte. Während des Kampfes mit der Mutter aller Auswahllisten, den 68 „fachübergreifenden Leistungsangeboten“ (inklusive fachübergreifender Stillberatung und Wochenbettgymnastik), wurde mir klar, dass der Qualitätsbericht 3.0 eine Verschwörung ist: Der G-BA ist von der Gesundheitswesen-Beratungsmafia unterwandert, die mit dem Qualitätsbericht den klassischen Beratungszyklus künstlich anheizt. Berater nehmen die kostenlos gemeldeten und veröffentlichten Daten, machen daraus einen Benchmark und verkaufen einem die eigenen Daten und eine nichtssagende Power-Point-Präsentation für teures Geld. Ein Trost bleibt: Der G-BA ist keine humorfreie Zone. Als apparative Ausstattung konnte man einen Petrophagenextraktor (Steinlausentferner) angeben.
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