ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2009Beske: Morbiditätsanalyse bis 2050

POLITIK

Beske: Morbiditätsanalyse bis 2050

Dtsch Arztebl 2009; 106(38): A-1827 / B-1568 / C-1536

Rieser, Sabine

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LNSLNS „Es darf keine weitere Reform im Gesundheitswesen geben, die sich nicht daran orientiert, was an Problemen auf die Gesundheitsversorgung aufgrund der demografischen Entwicklung zukommt.“ Das hat Prof. Dr. med. Fritz Beske vom gleichnamigen Institut für Gesundheits-System-Forschung Kiel (igsf) Ende August bei der Vorlage seiner „Morbiditätsprognose 2050“ gefordert. Darin wird für Brandenburg, Schleswig-Holstein sowie die gesamte Bundesrepublik die Entwicklung der Morbidität für 22 Krankheiten hochgerechnet.

„In gut zehn Jahren erreichen die geburtenstarken Jahrgänge die Gruppe der Alten. Die Auswirkungen für das Gesundheitswesen werden gravierend sein“, warnte Beske. Deshalb müsse man eine gesicherte Versorgung heute schon planen: „Lösungen sind nicht kurzfristig aus dem Boden zu stampfen.“

Insgesamt wird die Bevölkerung bis 2050 von 82,2 auf 68,8 Millionen Menschen zurückgehen. Die Altersgruppe der über 65-Jährigen wird jedoch von 16,5 auf 22,8 Millionen zunehmen. Nach den Berechnungen des igsf wird allein bei fünf der ausgewählten 22 Krankheiten die Anzahl der Erkrankten bis 2050 je 100 000 Einwohner um mehr als 100 Prozent zunehmen: bei Lungenentzündungen um 198 Prozent, bei der Makuladegeneration um 169, bei Demenz um 144, bei Oberschenkelhalsfrakturen um 125 und bei Herzinfarkt um 109 Prozent.

Steigerungen zwischen 50 und 100 Prozent sind demnach für Schlaganfall, Glaukom, Darmkrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs, Schwerhörigkeit und Osteoporose zu erwarten. Nach Beskes Hochrechnungen werden im Jahr 2050 zudem circa 51 Prozent der Gesamtbevölkerung an Hypertonie leiden, circa 42 Prozent an Arthrose.

Hausarztverträge oder Chronikerprogramme allein werden die Probleme nicht lösen, ist Beske überzeugt. Auch auf stetig steigende Steuergelder brauche man nicht zu hoffen: „Das Gesundheitswesen wird für sich selbst Lösungen finden müssen.“ Zwar sei nicht vorhersehbar, welche Entlastungen Prävention und medizinischer Fortschritt bringen könnten. „Es ist aber genau so wenig vorhersehbar, was an neuen, behandlungsfähigen Krankheiten hinzukommen kann und wie sich eine bessere Gesundheitsversorgung auswirkt.“ Rie
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