ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2009Streik an Berliner DRK-Kliniken: Urabstimmung draußen vor der Tür

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Streik an Berliner DRK-Kliniken: Urabstimmung draußen vor der Tür

Neuber, Harald

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Verhandlungen blieben ohne Ergebnis. Jetzt wollen die Ärzte an den Berliner DRK-Kliniken ihre Forderungen mit Streikmaßnahmen durchsetzen. Foto: dpa
Verhandlungen blieben ohne Ergebnis. Jetzt wollen die Ärzte an den Berliner DRK-Kliniken ihre Forderungen mit Streikmaßnahmen durchsetzen. Foto: dpa
Der Ausstand betrifft drei Lehrkrankenhäuser der DRK-Schwesternschaft. Die Ärzte dort drängen auf Angleichung an den üblichen VKA-Tarif.

Es war ein ungewöhnlicher Demonstrationszug, der sich am vergangenen Freitag durch Berlin bewegte: Rund 150 Ärzte der drei Akutkrankenhäuser der DRK-Schwesternschaft zogen in voller Berufsmontur von einem ihrer Hospitäler im Zentrum der Hauptstadt zum Humboldt-Klinikum des privaten Trägers Vivantes im Bezirk Reinickendorf. „Vivantes, wir kommen“, lautete das Motto der Aktion, die mit der symbolischen Übergabe einer Bewerbungsmappe bei den Vivantes-Kollegen endete. Mit ihren Verträgen sind die DRK-Ärzte alles andere als zufrieden: Sie verdienten im Schnitt elf Prozent weniger als die Kolleginnen und Kollegen an den kommunalen Krankenhäusern, sagen sie. Vivantes hat den 2006 erkämpften besseren Tarifabschluss mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA-Tarif) zum 1. Januar dieses Jahres eingeführt. Seither stehen die Ärzte an den DRK-Kliniken im Vergleich mit anderen Berliner Trägern am unteren Ende der Gehaltsskala.

Die Demonstration am vergangenen Freitag in Berlin war deswegen der Auftakt zu einem Arbeitskampf, zu dessen Beginn beide Seiten Entschlossenheit zeigen. Während sich 99,5 Prozent der gewerkschaftlich organisierten Ärzte am 7. September für den Ausstand aussprachen, erteilte der Geschäftsführer der Berliner DRK-Kliniken, Prof. Dr. med. Thomas Kersting, Vertretern des Marburger Bundes (MB) Hausverbot. Auch den im MB organisierten Klinikärzten hatte die Unternehmensleitung für die Urabstimmung zuvor den Zutritt verwehrt. Die Abstimmungsurnen wurden kurzerhand vor den drei Lehrkrankenhäusern in den Stadtteilen Köpenick, Mitte und Westend aufgestellt. „Urabstimmung vor der Tür – Die DRK-Kliniken verweigern den Ärzten ihre Rechte“, war auf einem Transparent vor dem Hospital in Köpenick zu lesen. Die Aussperrung sei „an Arroganz und Dummheit kaum mehr zu überbieten“, hatte zuvor der Vorsitzende des MB-Landesverbandes, Dr. med. Kilian Tegethoff, erklärt. Der Klinikgeschäftsführer Kersting sei „falsch gewickelt, wenn er glaubt, die Ärztinnen und Ärzte von der Wahrnehmung ihres demokratischen Grundrechts abhalten zu können“.

Streik immer nur als das letzte Mittel
Die Verhandlungen zwischen der Leitung der Berliner DRK-Kliniken und dem Marburger Bund hatten sich zuvor gut eineinhalb Jahre hingezogen. „Wir haben bis zuletzt versucht, ein Ergebnis auf dem Verhandlungsweg zu erreichen“, sagte der Verhandlungsführer des Marburger Bundes, Lutz Hammerschlag, im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt. Der Streik „darf immer nur das letzte Mittel sein“, fügte er an. Auch MB-Hauptgeschäftsführer Armin Ehl sieht die Schuld für den Arbeitskampf in Berlin bei Geschäftsführer Kersting. In anderen Regionen der Republik seien ohne Probleme arztspezifische Tarifverträge mit DRK-Kliniken abgeschlossen worden, so Ehl. Der üblichen Wettbewerbsargumentation der Unternehmensleitung wollen weder Mediziner noch MB-Vertreter Glauben schenken. Die Geschäftsführung habe „massive Investitionen in Immobilien und Klinikbauten gesteckt, die viele Millionen Euro verschlingen“, heißt es in einem Informationsblatt der Streikenden an Patienten. Die Qualität sei aber in erster Linie von dem Personal abhängig. Und das kann sich bei der derzeit günstigen Arbeitsmarktlage für Ärzte ohne Weiteres nach besseren Konditionen umsehen. Der MB-Regionalvorsitzende Tegethoff weist zudem auf den „gewaltigen Imageschaden“ für die DRK-Kliniken hin. Die Geschäftsführung sende durch ihr Verhalten die verheerende Nachricht aus, dass an den Berliner DRK-Häusern Ärzte nicht nur schlechter bezahlt, sondern auch schlechter behandelt würden.

Nach dem ersten Streiktag zeigten sich teilnehmende Ärzte zuversichtlich. „Wir sind bereit, alle notwendigen Schritte zur Durchsetzung unserer Forderungen zu gehen“, erklärte einer der Mediziner am Rande der Demonstration. In der zweiten Streikwoche wurde der Ausstand auf zwei Tage ausgeweitet. Am Mittwoch zogen die DRK-Ärzte zum Gebäude der Geschäftsführung, um vor den Türen der Klinikverwaltung eine Protestkundgebung zu organisieren.
Harald Neuber
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