ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2009Rheumatoide Arthritis: Hohe Ansprechraten mit Interleukin-6-Hemmer

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Rheumatoide Arthritis: Hohe Ansprechraten mit Interleukin-6-Hemmer

Vetter, Christine

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LNSLNS Der monoklonale Antikörper Tocilizumab greift an einer zentralen Stelle der Entzündungsreaktion ein.

Bei fast jedem zweiten Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) ist mit den herkömmlichen Behandlungsmöglichkeiten eine Krankheitsremission nicht zu erzielen. Es werden laut Prof. Dr. med. Gerd-Rüdiger Burmester (Berlin) deshalb weitere neue Therapieansätze gebraucht. Der Rheumatologe gab sich bei einem Pressegespräch in Köln optimistisch: „Wir werden schon in absehbarer Zukunft bei den rheumatischen Erkrankungen Therapiefortschritte sehen wie bei kaum einem anderen Krankheitsbild.“

Als Mono- und Kombitherapie
Ein erster innovativer Ansatz ist der Interleukin-6-Rezeptor-Inhibitor Tocilizumab, der Anfang des Jahres in Europa zur Behandlung der mäßig und schwer aktiven rheumatoiden Arthritis bei Erwachsenen als RoActemra® zugelassen wurde. Der Wirkstoff kann entsprechend der Zulassung in Kombination mit Methotrexat (MTX) und auch als Monotherapie bei Patienten eingesetzt werden, die auf eine vorangegangene Therapie mit DMARDs (Disease Modyfying Antirheumatic Drugs) oder TNF-alpha-Inhibitoren (Tumor-nekrosefaktor-alpha) nicht befriedigend angesprochen oder diese nicht vertragen haben, und bei denen eine Behandlung mit Methotrexat nicht möglich ist.

Bei Tocilizumab handelt es sich um einen monoklonalen Antikörper, der sowohl den löslichen wie auch den membrangebundenen Interleukin-6-Rezeptor (IL-6) besetzt und damit die durch das proinflammatorische Zytokin vermittelten Signalwege hemmt. „Damit greift der Antikörper an einer zentralen Stelle im Entzündungsgeschehen ein, denn Interleukin-6 triggert maßgeblich die Inflammation bei der rheumatoiden Arthritis“, betonte Burmester.

Entsprechend günstig sind nach Meinung von Prof. Dr. med. Ulf Müller-Ladner (Gießen) die klinischen Wirkungen: „Die Patienten erfahren rasch eine Besserung der klinischen Symptomatik mit Linderung der Schmerzen, der Müdigkeit und Steigerung der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit.“ Parallel dazu werde zugleich eine rasche Normalisierung des C-reaktiven Proteins erwirkt sowie der mit der Arthritis häufig verbundenen Anämie.

Der IL-6-Hemmer bewirkt Priv.-Doz. Dr. med. Andrea Rubbert-Roth (Köln) zufolge hohe ACR-Ansprechraten (American College of Rheumatology). Das belegen einheitlich fünf voneinander unabhängige Phase-III-Studien, die die Effekte des innovativen Biologikums bei verschiedenen Patientengruppen geprüft haben.

Es wurden in den Studien ferner bei Patienten unter einer Kombination mit Methotrexat wie auch unter einer Monotherapie mit Tocilizumab Remissionsraten (DAS28 unter 2,6) von etwa 30 Prozent erzielt, und das unabhängig von der jeweiligen Vorbehandlung sogar bei Patienten, die zuvor auf mehrere TNF-alpha-Blocker nicht befriedigend angesprochen hatten.

„Die vorliegenden Daten dokumentieren eine sehr überzeugende klinische Wirksamkeit von Tocilizumab“, fasste Rubbert-Roth die Ergebnisse zusammen. Sie hob hervor, dass in der LITHE-Studie* bei 1 196 Patienten mit unzureichendem Ansprechen auf MTX darüber hinaus eine deutliche Hemmung der radiologischen Krankheitsprogression beobachtet wurde.

Anwendung über fünf Jahre
Tocilizumab hat sich außerdem als sicher erwiesen, und das nach Rubbert-Roth nicht nur in den internationalen Zulassungsstudien, sondern auch in einer japanischen Studie, in der die Anwendung des Antikörpers über fünf Jahre überblickt wird. Es resultiere unter der Behandlung ein etwas erhöhtes Infektionsrisiko, und es müsse mit leichten, aber gut therapierbaren Veränderungen im Lipidprofil gerechnet werden; eine Reaktivierung einer latenten Tuberkulose oder eine Transformation von Immunzellen in ein Lymphom sei aber nicht beobachtet worden.
Christine Vetter

* LITHE = TociLIzumab safety and THE prevention of structural joint damage trial
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