ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2009Anforderung und Bewertung der Ergebnisse von Laboruntersuchungen – Teil 5 der Serie zur Bewertung wissenschaftlicher Publikationen: Ein gutes Beispiel
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LNSLNS Die Borreliose scheint mir ein gutes Beispiel zu sein, um die Diskussion noch weiterzuführen. Die Wahrscheinlichkeit einer Borreliose bei positivem Testergebnis wird von Herrn Prof. Bautsch mit rund 85 Prozent berechnet, sofern eine Indikation (im Beispiel Fazialisparese) für die Blutuntersuchung gegeben ist. Das Beschwerdespektrum, das von Ärzten, Patienten und Selbsthilfegruppen mit einer Borreliose in Verbindung gebracht wird, ist allerdings extrem breit. Es umfasst auch sehr viele Beschwerden, die bei psychosomatisch bedingten Krankheiten angegeben werden. Deswegen stellt sich die Frage der Gewichtung einzelner Beschwerden als Indikationsanlass. Spontan ist an spezielle dermatologische Veränderungen (Erythema migrans, benignes Lymphozytom, Acrodermatitis chronica atrophicans), an Arthritis und Kardiomyopathie sowie an einzelne neurologische Krankheiten (zum Beispiel Meningoradikulitis und, beim Erwachsenen allerdings selten, die Fazialisparese) als „harte Indikatoren“ zu denken. Werden andere als Indikatoren gewählt, dürfte sich die Ergebnisbewertung eher der eines „Bevölkerungsscreenings“ nähern, weil oft kein Konsens besteht, ob einzelne Beschwerden als Borreliose-assoziiert anzusehen sind. Das gerät im klinischen Alltag allzu leicht aus dem Blickwinkel.

Zu berücksichtigen ist noch, dass epidemiologische Untersuchungen je nach Region von Borreliosekontakt bei bis zu 35 Prozent der Bevölkerung ausgehen und zwar überwiegend ohne jemals apparent erkrankt zu sein. Wenn es stimmt, dass nicht sicher zwischen aktiver und abgeheilter Borreliose unterschieden werden kann (S. 405, rechte Spalte), wären verlässliche Aussagen noch schwieriger. Lassen sich derartige Bedingungen in die statistischen Abschätzungen einbeziehen? Und welche Aussage resultiert gegebenenfalls daraus?
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0637b

Univ.-Prof. em. Dr. med Hanns Christian Hopf
Langenbeckstraße 1
55131 Mainz
E-Mail: Hopf@neurologie.klinik.uni-mainz.de
1.
Bautsch W: Requirements and assessment of laboratory tests—part 5 of a series on evaluation of scientific publications [Anforderungen und Bewertung der Ergebnisse von Laboruntersuchungen]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 403–6. VOLLTEXT
1. Bautsch W: Requirements and assessment of laboratory tests—part 5 of a series on evaluation of scientific publications [Anforderungen und Bewertung der Ergebnisse von Laboruntersuchungen]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 403–6. VOLLTEXT

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