ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2009Randnotiz: Ärzte-Bashing
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LNSLNS So viel Ungemach auf einmal bricht selten über eine Berufsgruppe her-ein. Die Ärzteschaft und ihre diversen Verfehlungen sind derzeit Vorzugsthema der Medien. In Leitartikeln, Politmagazinen und Talkshows wird räsoniert und schwadroniert über „den Absturz der Halbgötter in Weiß“, und Karl Lauterbach erhält wieder Gelegenheit, sich zu äußern. Was wird nicht alles zu einem unappetitlichen Einheitsbrei zusammengerührt – maßlose Honorarforderungen, Zuweisungen ins Krankenhaus gegen Bares, Abrechnungsbetrug, verpfuschte Operationen, Verkauf überflüssiger Leistungen.

Kaum eine Schandtat, die man der Ärzteschaft in toto nicht zutraut. Da liegt der Gedanke nahe – dem Bundestagsabgeordneten Willi Zylajew (CDU) sei Dank – eine Kronzeugenregelung für Ärzte, die auspacken wollen, zu fordern. Warum nicht gleich noch ein spezielles Zeugenschutzprogramm für Ärzte schaffen, um die Zeugen vor den zu erwartenden Mordattacken ihrer korrupten und mafiösen Standesgenossen zu schützen? Wenn jetzt noch in großen Strafprozessen gegen Ärzte, denen schwerste Verfehlungen zur Last gelegt werden, öffentlich verhandelt wird, kann man sich die Reaktion darauf lebhaft vorstellen.

Deshalb nur kurz noch einmal zur Erinnerung: Ja, auch Ärzte sind Menschen, und es gibt Ärzte, die Fehler begehen, die unethisch handeln, die mehr an ihren Profit als an ihre Patienten denken; und die ärztliche Selbstverwaltung sollte ihre Disziplinarbefugnisse auch schon dort, wo kein Gesetzesverstoß vorliegt, offensiver nutzen. Aber: Man sollte sich vor Pauschalisierungen hüten und nicht all diejenigen Ärztinnen und Ärzte mit an den Pranger stellen, die ihrer Arbeit verantwortungsbewusst nachgehen.
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