ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2009Lokale Immunreaktion entscheidend für Prognose des Kolon-ca

AKTUELL: Akut

Lokale Immunreaktion entscheidend für Prognose des Kolon-ca

Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS Die Intensität einer Immunantwort im Tumor und in seiner unmittelbaren Umgebung (lokale Immunzellinfiltration) ist ein unabhängiger Parameter für die Prognose des Patienten und hat eine höhere prognostische Aussagekraft als die etablierten Parameter wie Ausdehnung des Primärtumors, Differenzierungsgrad und Lymphknotenstatus. Dies gilt zumindest für kolorektale Karzinome in Stadien ohne Fernmetastasierung. „Die detaillierte Analyse der lokalen Immunantwort in bioptischem Material, entweder mit In-situ-Immunhistochemie oder Genexpressionsanalysen, ist ein besserer Prädiktor für das Outcome als die bisher in der Klassifikation verwendeten Parameter. Sie sollte in den Prozess des Stagings und die Entscheidung über eine Therapie einbezogen werden“, sagte Prof. Dr. med. Jérôme Galon, Forschungsdirektor am INSERM-Center in Paris, beim 2. Europäischen Immunologenkongress in Berlin. Die Berücksichtigung der lokalen Immunantwort sei vor allem bei Tumoren ohne Lymphknotenmetastasierung, also in den UICC-Stadien I und II (UICC für Union internationale contre le cancer) klinisch bedeutend.

„Patienten mit diesen frühen Tumorstadien erhalten nach der erfolgreichen Operation im Allgemeinen keine Chemotherapie“, sagte Galon. Aber bei einer geringen Dichte tumor-inflitrierender Lymphozyten (TIL) im Stadium II haben Patienten ein höheres Risiko für ein Rezidiv als Patienten mit einem ungünstigeren Staging und hoher Anzahl von TIL. So lebten den Daten von 602 Patienten zufolge im Stadium II bei geringer Expression von T-Zell-Markern nach zehn Jahren noch circa 45 Prozent krankheitsfrei, in einer vergleichbaren Gruppe mit hoher Expression von Markern für die immunologische Aktivität waren es 85 Prozent, und bei ebenfalls guter lokaler Immunantwort im Stadium III lag das krankheitsfreie Überleben vergleichbar dem in Stadium II, und zwar bei circa 80 Prozent.

Galon wertet die Ergebnisse seiner aktuellen Untersuchungen als Beleg dafür, dass das Immunsystem das Wachstum von Tumoren kontrollieren kann. Entscheidend für die erfolgreiche Kontrolle über das Malignom sei offenbar die Fähigkeit des Patienten, spezifische, zytolytische T-Zellen zu generieren, die maligne Zellen zerstören (Effektorfunktion). Ebenso wichtig wie die Effektorfunktion der T-Lymphoyzten ist offenbar die Ausbildung eines immunogischen Gedächtnisses. Die verschiedenen Subtypen von Immunzellen lassen sich an ihren Proteinexpressionsmustern charakterisieren. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
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