ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2009„Bio-Potenzpille“: Charité-Institutsleiter beurlaubt

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„Bio-Potenzpille“: Charité-Institutsleiter beurlaubt

Dtsch Arztebl 2009; 106(39): A-1864

Neuber, Harald

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Nach der „Bio-Viagra-Affäre“ erfolgten nun personelle Konsequenzen. Foto: Keystone
Nach der „Bio-Viagra-Affäre“ erfolgten nun personelle Konsequenzen. Foto: Keystone
Einige Monate lang hielten sich die Beteiligten bedeckt, nun hat die Affäre um die Entwicklung eines pflanzlichen Potenzmittels am Berliner Universitätsklinikum Charité Konsequenzen: In der vergangenen Woche wurde der Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin, Prof. Dr.-Ing. Dr. med. Holger Kiesewetter, beurlaubt. Dieser Schritt sei „auf eigenen Wunsch“ erfolgt, sagte Kliniksprecherin Claudia Peter. Der Rückzug erfolgte rund zwei Wochen, nachdem die Staatsanwaltschaft seine Arbeits- und Privaträume sowie weitere Orte durchsucht hatte.

Die „Bio-Viagra-Affäre“ hatte Mitte März für Furore gesorgt. Ein Doktorand Kiesewetters hatte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur behauptet, erfolgreich ein Potenzmittel auf rein pflanzlicher Basis entwickelt zu haben. Einige Tageszeitungen berichteten über das als „Plantagrar“ bezeichnete Mittel. Wenig später dementierte jedoch die Charité-Leitung. Es handele sich „um die Aktivität eines Mitarbeiters (. . .) in eigener Verantwortung“. Zudem wurde die Arzneimittelaufsicht auf den Fall aufmerksam. Erektile Dysfunktionen sind nach dem Klassifikationssystem ICD-10 anerkannte Krankheiten. Das „Bio-Viagra“ sei daher ein Arzneimittel, dessen Entwicklung hätte kontrolliert werden müssen, hieß es aus dem Landesamt für Gesundheit und Soziales.

Gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt bestätigte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft die Vermutung eines Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Zudem werde gegen Kiesewetter wegen Bestechung, Bestechlichkeit und Untreue zuungunsten der Charité ermittelt. Der Institutsleiter habe sich offenbar von Privatunternehmen Zuwendungen zusichern lassen. HN
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