ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2009Deutscher RehaTag: Zugang zu Reha erleichtern

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Deutscher RehaTag: Zugang zu Reha erleichtern

Dtsch Arztebl 2009; 106(39): A-1872 / B-1605 / C-1573

Hibbeler, Birgit

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LNSLNS Wenn die Menschen länger arbeiten sollen und immer älter werden, muss Rehabilitation eine Selbstverständlichkeit sein. Das fordern die Initiatoren des Rehatages in einem gemeinsamen Positionspapier.

Krankheit, Unfall, Behinderung – das kann jeden treffen, und zwar in jedem Alter. In einer Gesellschaft, in der die Menschen länger arbeiten und immer älter werden, sind deshalb „Reha vor Rente“ und „Reha vor Pflege“ wichtige Prinzipien. Soweit die Theorie. In der Praxis werden diese allgemein akzeptierten Grundsätze nicht konsequent umgesetzt. Die Rehabilitation hat bislang noch nicht den Stellenwert, den sie haben müsste. Darauf haben die Initiatoren des 6. Deutschen Rehatages Mitte September in einem gemeinsamen Positionspapier hingewiesen. Ihre Forderung im Vorfeld der Bundestagswahl: Der Zugang zu Reha-leistungen muss erleichtert, Rehabilitation eine Selbstverständlichkeit werden.

„Wir fordern, geltendes Recht umzusetzen – nicht mehr und nicht weniger“, betont Dr. Wolfgang Heine, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für medizinische Rehabilitation (DEGEMED). Vor diesem Hintergrund verweist er auf die Vorgaben des neunten Sozialgesetzbuches (SGB IX), in dem das Recht behinderter Menschen auf gesellschaftliche Teilhabe verankert ist. Dabei spiele die Rehabilitation eine zentrale Rolle. Außerdem sehe die jüngst in Kraft getretene UN-Behindertenrechtskonvention die „Inklusion“ als neues gesellschaftliches Paradigma vor – die selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft. Heine sieht die Rehabilitation in einem Spannungsfeld von begrenzten Mitteln und wachsenden Anforderungen. Nur wenn die Finanzierung gesichert sei, könne es aber eine qualitativ hochwertige Versorgung geben. „Insbesondere von den Krankenkassen erhalten wir keine kostendeckende Vergütung“, kritisiert Heine. „Da muss der Gesetzgeber handeln.“

Die DEGEMED ist eine der 22 Organisationen und Institutionen, die an dem bundesweiten Rehatag mit Veranstaltungen in rund 200 Kliniken und Einrichtungen beteiligt sind. Dazu zählen unter anderem auch der Bundesverband Deutscher Privatkliniken, der Bundesverband Geriatrie sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitation. In dem Papier fordern sie neben einem besseren Zugang zu Rehabilitation, dass Akutbehandlung, medizinische, berufliche und soziale Rehabilitation sowie Pflege besser vernetzt werden. Die Forschung im Rehabereich müsse zudem gestärkt werden.

Um den Nutzen von Rehabilitation zu belegen, ist Forschung unerlässlich. So zeigen die Ergebnisse einer neuen Studie, dass jeder Euro, den man in die medizinische Rehabilitation investiert, fünf Euro in der Renten-, Arbeitslosen-, und Kran­ken­ver­siche­rung einspart. Die Untersuchung „Die medizinische Rehabilitation Erwerbstätiger – Sicherung von Produktivität und Wachstum“ der Baseler Prognos AG beziffert nach Angaben der Autoren erstmals genau den volkswirtschaftlichen Nutzen von medizinischer Rehabilitation. Den Einspareffekt berechneten die Wissenschaftler anhand von fünf aus-gewählten Rehaindikationen der Deutschen Rentenversicherung. Ausgaben von 1,1 Milliarden Euro standen den Auswertungen zufolge 5,8 Milliarden Euro gegenüber, die durch gewonnene Berufsjahre und weniger Arbeitsunfähigkeitstage eingespart wurden. Nach einem Zukunftsszenario könnte der volkswirtschaftliche Nettonutzen der medizinischen Rehabilitation bis 2025 auf mehr als 23 Milliarden Euro steigen.

Die Auftraggeber der Studie – die DEGEMED, der Verband der Privatkliniken Nordrhein-Westfalen und der Verband der Privatkliniken Thüringen – sehen sich durch die Ergebnisse erwartungsgemäß bestätigt. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DEGEMED, Ellio Schneider, rief dazu auf, die Potenziale der Rehabilitation zu nutzen. „Wir brauchen dazu verlässliche finanzielle und ordnungspolitische Rahmenbedingungen und eine starke inhaltliche, fachliche und konzeptionelle Vernetzung aller beteiligten Akteure.“
Dr. med. Birgit Hibbeler

@Positionspapier zum Rehatag und zur Prognos-Studie im Internet unter www.aezteblatt.de/091872
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