ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2009Priorisierung: Scheinbare Gerechtigkeit
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Priorisierung und Posteriosierung: Oder die Grenzen, was Statistik leisten kann . . . Es ist eine für jedes Verfahren individuelle und damit willkürliche Festsetzung von Grenzwerten für jede Posteriorisierung notwendig – und damit eine Anfälligkeit für Lobbyismus, allerdings unter einem Deckmantel einer scheinbaren Gerechtigkeit. Hinzu kommt, dass die Bewertung eines Therapieerfolgs hinsichtlich der Lebensqualität eine sehr individuelle Entscheidung in Abhängigkeit von Situation und Einstellung des Patienten darstellt.

Der Wunsch nach einer einheitlichen Grenze als Universallösung ist verständlich und würde dem Arzt die tägliche Entscheidung und damit die Verantwortung für die Verteilung der knappen Ressourcen abnehmen. Dem gegenüber steht allerdings die Erwartung des Patienten, dass sein Arzt alles Mögliche (und Unmögliche) für ihn tut und Lücken findet, wie dies umzusetzen ist. Die „Rule of rescue“ ist ein tief in der Gesellschaft verankerter Wert, der, wenn er überhaupt infrage gestellt wird, aus Sicht des Einzelnen immer nur die anderen betreffen darf.

Was fehlt, ist eine offene Diskussion in der Gesellschaft über das Thema „Rationalisierung im Gesundheitswesen“, in der die verschiedenen Alternativen mit ihren Stärken und Schwächen inklusive der Anfälligkeiten gegenüber Fehlern und Einflussnahmen gegenübergestellt werden.

Frei nach Churchill kommt die Gesellschaft vielleicht nach einer solchen Diskussion zu dem Entschluss, dass die individuelle Entscheidung des Arztes keine gute, aber die am wenigsten schlechte Alternative im Rahmen der Rationalisierung ist. Auch wenn damit eine große Verantwortung beim einzelnen Arzt bleibt.

Dr. med. Rainer Röhrig, Abteilung für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Schmerztherapie, Justus-Liebig-Universität Gießen, Rudolf-Buchheim-Straße 7, 35392 Gießen
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