ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2009Innere Medizin: Innovativer Weg

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Innere Medizin: Innovativer Weg

Dtsch Arztebl 2009; 106(39): A-1892 / B-1622 / C-1590

Werdan, Karl

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Jörg M. Fegert, Annette Streeck-Fischer, Harald J. Freyberger (Hrsg.): Adoleszenzpsychiatrie. Schattauer, Stuttgart 2009, 896 Seiten, gebunden, 119 Euro
Jörg M. Fegert, Annette Streeck-Fischer, Harald J. Freyberger (Hrsg.): Adoleszenzpsychiatrie. Schattauer, Stuttgart 2009, 896 Seiten, gebunden, 119 Euro
Die erste Auflage des Kölner Werks von W. Kaufmann vor mehr als 20 Jahren hatte mit der Darstellung komplexer diagnostischer Entscheidungsprozesse in Form von Algorithmen die heutige Leitlinien-Denkweise zukunftsweisend vorweggenommen. Mit der fünften Auflage machen die „Kaufmann-Schüler“ mit ihren weiterentwickelten „evidenzbasierten Entscheidungsprozessen“ ihrem Lehrer alle Ehre.

Das Buch gliedert sich in einen allgemeinen und in einen speziellen Teil: Im allgemeinen Teil werden zunächst auf 35 Seiten die Prinzipien der evidenzbasierten Medizin im Hinblick auf diagnostische und Screening-Tests geschildert. Auf den nächsten 20 Seiten wird die klinische Untersuchung einer evidenzbasierten Prüfung unterzogen. Dieses Vorgehen ist durchaus bemerkenswert und führt auch zu überraschenden Ergebnissen: Ein Kliniker mit jahrzehntelanger Erfahrung muss die Erkenntnis erst einmal „verdauen“, dass bei kardiologischen Diagnosen die Echokardiografie – ausgeführt durch angelernte Studierende – der von einem Kardiologen durchgeführten körperlichen Untersuchung in vielerlei Hinsicht in Bezug auf Sensitivität und Spezifität überlegen ist. Der spezielle Teil geht dann auf 15 wichtige internistische Differenzialdiagnosen ein. Übersichtliche Algorithmen – gepaart mit niedrigen oder hohen Vortestwahrscheinlichkeiten – erlauben ein rationelles Abklären.

Dieses Buch bringt dem Leser die Grundlagen der evidenzbasierten Denkweise bei differenzialdia-gnostischen internistischen Fragestellungen nahe, und das ist die Stärke des Buches. Der Weg ist innovativ und sicherlich auch für nicht wenige Ärzte ungewohnt. Gleichwohl wird nicht nur der Internist und Allgemeinmediziner, sondern auch der internistische „Schwerpunktler“ seinen Nutzen haben, wenn er sich evidenzbasierte Diagnosepfade seines Schwerpunkts ansieht und mit seinem Vorgehen vergleicht. So hat man als Kardiologe unter anderem die Kapitel über Dyspnoe, Thoraxschmerz und Hypertonie mit Gewinn gelesen.

Nicht nur die wissenschaftliche Durchdringung der differenzialdiagnostischen internistischen Vorgehensweise macht dieses Buch wertvoll. Auch der immer größer werdende ökonomische Druck in Praxis und Klinik zur „straffen“ Diagnostik ist ein weiterer Grund für ein evidenzbasiertes Vorgehen. Es lohnt sich, den Weg dieses Buches zu versuchen. Karl Werdan
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