ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2009Art Basel: Rückbesinnung auf Malerei und Skulptur

KULTUR

Art Basel: Rückbesinnung auf Malerei und Skulptur

Dtsch Arztebl 2009; 106(39): A-1901 / B-1631 / C-1599

Jaeschke, Helmut

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300 Händler aus 29 Ländern waren auf der diesjährigen Art Basel vertreten, unter anderem die Sean Kelly Gallery, New York. Foto: MCH Swiss Exhibition (Basel/Zurich) Ltd.
300 Händler aus 29 Ländern waren auf der diesjährigen Art Basel vertreten, unter anderem die Sean Kelly Gallery, New York. Foto: MCH Swiss Exhibition (Basel/Zurich) Ltd.
Mit 61.000 Besuchern aus aller Welt hatte die Messe einen Besucherrekord aufgestellt.

Jedes Jahr wirbt eine aufwendige Skulptur vor den Messehallen als Blickfang für die Art Basel. Diesmal ragte ein riesiges schwarzes Holzkreuz des Künstlers Vallentin Carron wie ein Menetekel in den Himmel. Als düstere Prophezeiung für den Verlauf der Messe taugte es jedoch nicht. Mit 61 000 Besuchern aus aller Welt hatte die 40. Art Basel nicht nur einen Besucherrekord aufgestellt, am Ende atmeten fast alle Händler erleichtert auf. Die Verkäufe waren viel besser als erwartet, auch wenn sie nicht ganz an das hervorragende Vorjahresergebnis heranragten. Allerdings erschienen die meisten der 300 Händler aus 29 Ländern mit 20 bis 30 Prozent günstigeren Preisen als bei der vergangenen Messe.

Neben Gefälligem wie John Currins barbusigem „Grey Girl“ (450 000 Euro bei Sadie Coles) fanden auch sperrigere Arbeiten wie Christopher Wools Werk „Untitled“ (370 000 Euro bei Luhring Augustine) oder ein graues Gemälde von Cy Twombly (1,5 Millonen Euro bei Mitchell-Innes & Nash) ihre Liebhaber. Ob allerdings das mit 80 Millionen Franken teuerste Objekt der Messe, das „Big Retrospektive Painting“, von Andy Warhol verkauft war, stand am Ende der Messe noch nicht fest. Das elf Meter lange Bild vereint Warhols wichtigste Motive der 60er- bis 70er-Jahre und wurde als Soloshow in einem eigens gebauten Kunstkabinett von der Züricher Galerie Bischofsberger präsentiert. Ansonsten wurden wie jedes Jahr derartig überdimensionierte Werke in Halle 1 im Rahmen der „Art Unlimited“ präsentiert. Das acht Meter hohe Holzhäuschen von Yoshitomo Nara gab es dort für 430 000 Euro und Stephan Balkenhol hatte seine Holzskulpturen vor reliefartig bearbeitete Trennwände platziert („Universe“, für 1,2 Millionen Euro).

Bei den Zeitgenossen erwies sich einmal mehr der Leipziger Maler Neo Rauch als Verkaufsgarant. Bereits am Vernissagetag gingen mehrere Großformate von ihm in wichtige Sammlungen. Das mit Abstand beste angebotene Bild dieses Malers „Etappe“ aus dem Jahr 1998 sicherte sich der Hollywoodstar Brad Pitt für knapp eine Million Euro bei der Galerie David Zwirner, New York, was entweder für Brad Pitts gutes Auge oder für die Qualität seines Kunstberaters spricht. Neo Rauchs aktuelle Großformate zeigen dagegen mittlerweile formale und handwerkliche Schwächen, die möglicherweise dem Produktionsdruck seitens seiner Galeristen geschuldet sind.

Kritiker vertraten die Ansicht, dass die Art Basel „zahmer“ geworden sei. Man kann es allerdings auch als eine durch die Finanzkrise ausgelöste Rückbesinnung auf die klassischen Medien Malerei und Skulptur sehen, dass diesmal wenig an Installationen, Videoarbeiten und Performancekunst zu sehen war, wobei gerade bei der Performancekunst der fachgerechte Umgang mit den Relikten der Aktionen ein Problem darstellt. Zu diesem Thema fand eigens ein Workshop auf der Art Basel statt, denn, wie es in der Ankündigung hieß, das Sammeln und Bewahren von Performancekunst sei ein bisschen so, „als wolle man Rauch in seiner Hosentasche aufbewahren“. Diese Probleme hatten die zahlreichen Kunstliebhaber nicht, die man mit ihren Gemälden unter dem Arm die Messehallen verlassen sah. Allenfalls mussten sie ein Transportunternehmen bestellen, um ihr Schätze nach Hause zu transportieren, wie der Käufer des Großformats „Große Fahrt Arche Noah“ des in Berlin lebenden Schweizer Künstlers Thomas Huber (37 000 Euro bei der Galerie Skopia, Genf).

Die 41. Art Basel findet statt vom 16. bis 20. Juni 2010. Informationen: www.artbasel.com
Dr. med. Helmut Jaeschke
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