ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2009Major-Depression: Bessere Schlafqualität erzielen

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Major-Depression: Bessere Schlafqualität erzielen

Bischoff, Angelika

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Schlaf und Depression stehen in einer Wechselbeziehung: Sie können sich gegenseitig bedingen und beeinflussen. Foto: dpa
Schlaf und Depression stehen in einer Wechselbeziehung: Sie können sich gegenseitig bedingen und beeinflussen. Foto: dpa
Ein neuartiges Medikament, ein Melatoninrezeptoragonist, resynchronisiert die zirkadiane Rhythmik bei Patienten mit Depression und verbessert die Regeneration.

Patienten mit einer Depression haben häufig einen gestörten zirkadianen Rhythmus. Vorgänge, die für unser Wohlbefinden wesentlich sind, wie der normale Wechsel von Schlaf- und Wachzeiten oder auch der Tag-Nacht-Rhythmus der Körpertemperatur über den Tag, sind aufgehoben, abgeflacht oder laufen phasenverschoben ab. Konkret bedeutet das: Viele Patienten mit einer Depression haben Probleme mit dem Ein- oder mit dem Durchschlafen, sie wachen früh morgens auf und fühlen sich am Tage schlapp. Zu den Zielen einer antidepressiven Therapie sollte es aus diesem Grund auch gehören, die gestörten zirkadianen biologischen Rhythmen wieder in die richtige Balance zu bringen, berichtete Prof. Dr. med. Göran Hajak (Regensburg) in München.

Mit Agomelatin (Valdoxan®) erhielt im Februar 2009 das erste Antidepressivum die europäische Zulassung, das über eine Resynchronisierung gestörter zirkadianer Rhythmik ausgezeichnete antidepressive Wirkung hat. Die Resynchronisierung wird erreicht durch eine agonistische Wirkung auf die MT1- beziehungsweise MT2-Me-latoninrezeptoren. Als 5-HT2c-Antagonist verbessert Agomelatin außerdem die dopaminerge und noradrenerge Neurotransmission, was sich positiv auf Stimmung, Antrieb, Angst und Regulation des Tiefschlafs auswirkt.

Das umfangreiche klinische Studienprogramm belegt die starke antidepressive Wirkung. In einer Studie von Kennedy et al. hätten bei Gabe von täglich 50 mg Agomelatin 73 Prozent der Patienten nach zwölf Wochen eine Remission erreicht, erläuterte Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Möller (München). Im Vergleich dazu waren es unter dem ebenfalls als stark wirksam bekannten Venlafaxin XR in einer Dosis von 150 mg 67 Prozent der Patienten. In einer weiteren Untersuchung konnte gezeigt werden, dass sich die Aufmerksamkeit am Tag unter Agomelatin bereits ab der Woche eins signifikant verbessert. Agomelatin bietet zudem einen signifikanten Schutz vor Rezidiven. In einer placebokontrollierten Studie hatten 80 Prozent der Responder unter Verum auch nach zehn Monaten noch keinen Rückfall, unter Placebo galt dies nur für 50 Prozent.

Agomelatin verbessere die Schlaf-qualität, ohne jedoch die Patienten zu sedieren, erklärte Hajak. Im Vergleich zu Venlafaxin waren beispielsweise in einer klinischen Untersuchung Leichtigkeit des Einschlafens und die Schlafqualität signifikant besser (Lemoine, P., J Clin Psychiatry 2007; 68: 1723–32). In Bezug auf die Leistungsfähigkeit waren die Patienten unter Agomelatin ebenfalls im Vorteil.

Patienten, die Agomelatin einnehmen, müssen nach Aussage von Prof. Dr. med. Gerd Laux (Wasserburg) keine negativen Auswirkungen auf ihr Körpergewicht oder das Risiko einer sexuellen Dysfunktion fürchten. Die gastrointestinale Verträglichkeit gilt als gut. Die Nebenwirkungen bewegen sich generell auf niedrigem Niveau und treten primär während der ersten beiden Behandlungswochen auf. Vorsicht ist geboten bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion: Die Serumtransaminasen können ansteigen.
Dr. med. Angelika Bischoff
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