ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2009Börsebius: Nichts begriffen

GELDANLAGE

Börsebius: Nichts begriffen

Dtsch Arztebl 2009; 106(39): A-1906 / B-1634 / C-1602

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LNSLNS Das einjährige Jubiläum der Lehman-Pleite zog dieser Tage wie ein Medienstar seine Kreise. Wir wissen es alle, mit Hängen und Würgen verhinderten die Verantwortlichen dieser Welt den Kollaps des Weltfinanzsystems. Gut so. Mittlerweile gibt es immer mehr Stimmen, durchaus kompetente, die von einem nahen Ende der Konjunkturkrise sprechen. Der prominenteste Optimist ist Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank, der kürzlich im Rahmen einer Anhörung meinte, das Schlimmste sei schon überstanden. Die Märkte vernahmen die Botschaft und hievten die Aktienkurse weiter nach oben.

Zur selben Zeit versuchen die Politiker, den Banken und ihren Repräsentanten (berechtigte) Daumenschrauben anzulegen, die irren Bonusregelungen in den Griff zu bekommen, die Eigenkapitalregeln zu verschärfen und die wildesten Auswüchse komplexer Anlagemodelle zu beschneiden. Der französische Präsident Sarkozy drohte gar, den anstehenden Finanzgipfel zu verlassen, wenn nicht eine vernünftige Bonusregelung geschaffen werde. Da bin ich aber mal gespannt, wer bleibt, Sarkozy oder die hohen Boni.

Wichtig ist aber vor allem die Einsichtsfähigkeit und Einsichtswilligkeit der Banken, dass es im bisherigen Giergeschäft so nicht mehr weitergehen kann. Hier ist jedoch keine Besserung festzustellen, im Gegenteil.

Von Lesern höre ich immer wieder, dass sie nach wie vor von ihrem Anlageberater bedrängt werden, Zertifikate zu kaufen und neuerdings lese ich auch, dass das Geschäft mit strukturierten Produkten wieder brummt. Unfassbar. Von einem befreundeten Banker höre ich unter der Hand, dass der haus-interne Druck, bestimmte Produkte zu verkaufen, mindestens genauso hoch ist wie ehedem.

In die gleiche Kerbe haut auch die renommierte Stiftung Warentest. In der Zeitschrift „Finanztest“ wird moniert, dass die Banken weiterhin Papiere auf den Markt brächten, „die so kompliziert gestrickt sind, dass weder die Anleger noch die Berater in den Banken sie verstehen“.

Zur Änderung dieses erbärmlichen Verhaltens kann es nur eine Lösung geben: den Mist nicht zu kaufen. Der wahre Souverän ist am Ende immer noch der Bankkunde. Er muss es sich nur zutrauen.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 3. Oktober 2009 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (02 21/98 54 80–17). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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