ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2009Börsebius: Ist die Party zu Ende?

GELDANLAGE

Börsebius: Ist die Party zu Ende?

Dtsch Arztebl 2009; 106(40): A-1978 / B-1698 / C-1662

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Kann das denn wirklich alles so sein? Der DAX zieht stetig wie ein Adler immer höhere Kreise. Mittlerweile ist die Marke von 6 000 Indexpunkten im Visier, und das alles ein Jahr nach der Lehman-Pleite, nach der gerade mal (hoffentlich) abgewendeten Kernschmelze der Weltfinanzmärkte. Gut 20 Prozent Zuwachs im DAX seit Jahresbeginn haben die meisten Anleger lediglich staunend zur Kenntnis genommen, wirklich dabei gewesen ist kaum jemand, zu groß war die Angst davor, wieder einmal auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Jetzt einsteigen? Jetzt aussteigen? Die Experten sind sich völlig uneins: Die einen meinen, das deutsche Kursbarometer sei viel zu schnell nach oben gelaufen, prognostizieren fette Rückschläge. Die anderen beschwören noch höhere Kurse, eben deswegen, weil bislang kaum jemand an der Hausse teilgenommen habe und es jetzt höchste Zeit sei, auf den rollenden Zug aufzuspringen. Dieser werde noch mehr Fahrt aufnehmen, weil die Konjunktur weltweit wieder anspringe. Die Gemengelage ist in der Tat verworren, und es lohnt sich sicher, das Argumentationsgestrüpp zu entzerren, zu gewichten und in eine vernünftige Reihenfolge zu bringen.

Es ist eine alte und meist auch stimmende Börsenweisheit, dass die Aktienkurse mit einem Vorlauf von etwa einem halben bis drei viertel Jahr die besten Frühindikatoren für eine konjunkturelle Trendwende sind. Das gilt in beide Richtungen. Wenn dem so ist, dann wachsen die Unternehmensgewinne im nächsten Jahr um rund 30 Prozent.

Sollte sich diese Zuwachsannahme allerdings im Nachhinein als zu optimistisch herausstellen, drohen Rückschlagsgefahren. Ebenso ist es aber auch möglich, dass selbst diese optimistische Gewinnanstiegserwartung von der Realität noch übertroffen wird. Dann hätte der DAX sogar Luft bis 7 500 oder 8 000 Punkte.

Wie immer, wenn wir über die hochkomplexen Strukturen einer Volkswirtschaft sprechen, kann es aber auch noch sein, dass der Arbeitsmarkt vor einer harten Vollbremsung (aufgrund drastischen Arbeitsplatzabbaus) steht, mit entsprechend harschen Folgen für den Konsum.

Der Betrachtet darf auch keineswegs aus dem Blick lassen, dass die derzeitige Notenbankpolitik des überaus billigen Geldes zu einer Liquiditätsschwemme führt, genauer gesagt, bereits geführt hat, die zwangsläufig zu großen Teilen in den Aktienmarkt floss. Käme es aufgrund einer restriktiveren Gangart, die auch nicht unwahrscheinlich ist, zu einer Kapitalverknappung, hätte dies nach dem Lehrbuch unweigerlich negative Folgen für den Aktienmarkt.

Klar ist, dass nichts klar ist. Größere Rückschläge sind möglich, aber wegen der insgesamt positiven Konjunktursignale ist das Erholungspotenzial gleichwohl immens. Deshalb: Wer am Aktienmarkt auf Bluechips zugreift, braucht nicht bange zu sein. Die Party ist nicht zu Ende. Noch lange nicht.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.