ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2009Facharzt für Allgemeinmedizin: Willkommen zurück

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Facharzt für Allgemeinmedizin: Willkommen zurück

Korzilius, Heike

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LNSLNS Der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer will die Allgemeinmedizin wieder als eigenständiges Gebiet in der Weiter­bildungs­ordnung verankern. Inhaltlich soll sich jedoch nichts ändern.

Nach der Rückkehr des Allgemein-Internisten im Jahr 2007 steht nun offenbar auch die Rückkehr des Facharztes für Allgemeinmedizin bevor. Der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat sich am 25. September dafür ausgesprochen, dass die Facharztweiterbildung „Allgemeinmedizin“ wieder als eigenständiges Gebiet in die (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung aufgenommen werden soll. Es ist kaum damit zu rechnen, dass der 113. Deutsche Ärztetag im nächsten Jahr in Dresden den Beschluss des BÄK-Vorstandes zurückweist. Denn sowohl die allgemeinmedizinischen als auch die internistischen Fachgesellschaften und Berufsverbände begrüßen die jüngste Entwicklung. Die Idee, mit der Zusammenführung der Fächer Innere und Allgemeinmedizin eine einheitliche Hausarztqualifikation zu schaffen, ist damit gescheitert.

Ursprünglich sollte eine Weiterbildungsnovelle aus dem Jahr 2003 die leidige Konkurrenz der Fächer Allgemeinmedizin und Innere Medizin beenden. Das Nebeneinander von Allgemeinärzten, (hausärzt-lichen) Internisten und Schwerpunkt-Internisten sollte einem zweistufigen Modell weichen: Fachärzte für Innere und Allgemeinmedizin sollten die hausärztliche Versorgung sicherstellen und Internisten mit Schwerpunkt die fachärztliche Versorgung. Doch die einheitliche Umsetzung des mühsam verhandelten Kompromisses in den Regionen gestaltete sich schwierig, weil einzelne Lan­des­ärz­te­kam­mern von der gemeinsamen Linie abwichen. Zwei Kammern beschlossen, den Facharzt für Allgemeine und Innere Medizin nicht einzuführen und stattdessen den Facharzt für Allgemeinmedizin beizubehalten. Fünf weitere entschieden sich dafür, neben dem Facharzt für Allgemeine und Innere Medizin den Allgemein-Internisten beizubehalten. Das uneinheitliche Vorgehen wiederum rief die Europäische Kommission auf den Plan, die Korrekturen anmahnte – ganz abgesehen davon, dass auch die Ärzte in der Weiterbildung nicht froh darüber sein können, dass zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Bayern unterschiedliche Regeln gelten.

Europarechtliche Vorgaben führten schließlich dazu, dass der Deutsche Ärztetag im Jahr 2007 die Weiterbildungsnovelle von 2003 revidierte und den Facharzt für Innere Medizin ohne Schwerpunkt wieder einführte. An der einheitlichen Qualifikation für den Hausarzt ändere sich dadurch jedoch nichts, hatte der Vorsitzende der Weiterbildungsgremien der BÄK, Dr. med. H. Hellmut Koch, damals betont. Der Internist ohne Schwerpunkt erwerbe keine hausärztlichen Kompetenzen. Seine Tätigkeit sei auf das Krankenhaus beschränkt.

Doch der Beschluss erweist sich als folgenreich. „Damit ist für uns die Grundlage des Kompromisses entfallen“, erklärte der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, Mitte September beim Deutschen Hausärztetag (siehe auch „Nichts ohne einen Hausarzt“). Das Gremium forderte, die Allgemeinmedizin wieder als eigenständiges Gebiet zu etablieren. Das bedeutet allerdings auch, dass die Beschränkung des Allgemein-Internisten auf die Tätigkeit im Krankenhaus aufgehoben wird, wie aus der BÄK verlautete, die ein „Wiederaufflackern der Konkurrenzsituation zwischen hausärztlichen Internisten und Allgemeinmedizinern“ befürchtet.

Inhaltlich soll trotz der Trennung der Gebiete in der hausärztlichen Weiterbildung alles beim Alten bleiben. Nach wie vor müssen zwei der fünf Jahre Weiterbildungszeit in der ambulanten Versorgung absolviert werden. Allerdings soll sich der Nachwuchs künftig während dieser Zeit sechs Monate lang chirurgisch weiterbilden. Das zumindest fordern die Vertreter der Hausärzte. Ein weiterer Wunsch der Hausärzte ist es, dass Weiterbildungszeiten vermehrt in anderen patientenbezogenen Gebieten abgeleistet werden können. Die Dauer der allgemeinmedizinischen Weiterbildung steht nicht zur Debatte.

Streit gibt es derweil reichlich an anderer Stelle. Seit Monaten verhandeln die Bundes­ärzte­kammer, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft mit den Krankenkassen über das Förderprogramm zur allgemeinmedizinischen Weiterbildung, bislang ohne Ergebnis. Dabei geht es insbesondere darum, die Vergütung der Weiterbildungsassistenten in den Hausarztpraxen an die Gehälter in den Krankenhäusern anzugleichen. Es sei bisher nicht gelungen, die berechtigten Forderungen der Ärzte durchzusetzen, sagte der stellvertretende KBV-Vorsitzende, Dr. med. Carl-Heinz Müller. Er sprach von einer „verantwortungslosen Verzögerungstaktik“. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium hat den Verhandlungspartnern jetzt eine Frist gesetzt. Bis zum 15. Oktober muss eine Vereinbarung getroffen sein, sonst wird der Gesetzgeber aktiv.
Heike Korzilius
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