ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2009Medizinstudium: Ungarischer Abschluss in Hamburg

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Medizinstudium: Ungarischer Abschluss in Hamburg

Hibbeler, Birgit

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Seit vielen Jahren bietet die Semmelweis-Universität Budapest einen deutschsprachigen Studiengang für „NC-Flüchtlinge“ an.
Nun hat die Hochschule in Kooperation mit dem privaten Klinikkonzern Asklepios eine Zweigstelle in Hamburg eröffnet.
Für Kathrin Schmickler (24)* war es frustrierend. Dass sie Ärztin werden wollte, stand für sie schon lange fest. Aber mit einer Abiturnote von 2,0 hatte sie auf einen Studienplatz keine Chance. Also machte sie zunächst eine Ausbildung zur Krankenschwester. Doch auch die Wartesemester änderten nichts daran: Sie ging wieder leer aus. „Als ich dann immer noch keinen Platz hatte, bin ich nach Budapest gegangen“, berichtet sie. An der dortigen Semmelweis-Universität schrieb sie sich in dem deutschsprachigen Studiengang ein. Eine nicht ganz billige Entscheidung, denn pro Semester fallen dort 5 800 Euro Gebühren an. Ihre Eltern – beide Ärzte – zahlten. „Die sehen das als Investition in die Zukunft“, erklärt Schmickler.

Den Schritt nach Ungarn hat sie nicht bereut. Trotzdem ist die Medizinstudentin froh, dass sie ihr fünftes Fachsemester nun in Deutschland beginnen kann. Denn seit Kurzem gibt es die Möglichkeit, nach dem Physikum an die Hamburger Zweigstelle der Semmelweis-Universität zu wechseln. An der Asklepios Medical School, die sich auf dem Gelände der Asklepios-Klinik St. Georg befindet, erwerben die Studierenden einen ungarischen Abschluss. Mit dem können sie in Deutschland problemlos ärztlich tätig sein, denn eine EU-Richtlinie sichert die gegenseitige Anerkennung der Examen. Die Semestergebühren in Hamburg betragen 7 200 Euro. Für das gesamte Studium kommen also Kosten von rund 80 000 Euro zusammen.

Trotzdem wollen im Oktober mehr als 80 deutsche „NC-Flüchtlinge“ nach zwei Jahren in Budapest ihren klinischen Studienabschnitt am Asklepios-Campus beginnen. Viele Studierende, wie auch Schmickler, bewerben sich allerdings parallel an einer staatlichen Universität in Deutschland. Manche versuchen, einen Platz einzuklagen. Und so rechnet Dr. med. Jörg Weidenhammer, Geschäftsführer der Asklepios Medical School, damit, dass noch rund ein Drittel der Interessenten anderweitig unterkommt. „Unsere Zielgröße liegt bei 50 bis maximal 60 Studenten“, sagt er. Die bisherigen Erfahrungen mit dem Studiengang in Hamburg seien sehr gut. Seit einem Jahr werden am Asklepios-Campus Medizinstudenten ausgebildet. Im siebten Fachsemester sind aktuell 19 Studierende eingeschrieben. Mit seinen Kliniken in Hamburg verfügt Asklepios über ausreichend viele Dozenten aus den klinischen Fächern, um den Unterricht zu gewährleisten. Das Konzept wurde vom ungarischen Bildungsministerium anerkannt. Nach Angaben des Rektors der Semmelweis-Universität, Prof. Dr. Tivadar Tulassay, ist eine solche Kooperation in Europa einzigartig.

Warum sich der private Klinikkonzern Asklepios in der Medizinerausbildung engagiert – daraus macht Stefan Lehmann-Odinga von der Asklepios Medical School keinen Hehl. Natürlich hoffe man, dass der ein oder andere Student später als Arzt dem Unternehmen treu bleibe. Denn – und das spricht Lehmann-Odinga ganz offen aus: „Der Verteilungskampf hat begonnen.“

Dr. med. Birgit Hibbeler
*Name geändert
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