ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 3/2009Die Lehren aus der Finanzkrise: Sicherheit geht vor

SUPPLEMENT: PRAXiS

Die Lehren aus der Finanzkrise: Sicherheit geht vor

Jobst, Peter

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Foto: iStockphoto
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Die Finanzkrise hat tiefe Spuren in den Portefeuilles der meisten Geldanleger hinterlassen. Auch wenn sich die Lage entspannt, bleibt Sicherheit das oberste Gebot.

Wer sich Mitte 2008 über die Konditionen von Tages- oder Festgeldkonten informierte, kam an einem Namen nicht vorbei: Die bis dahin unbekannte isländische Bank Kaupthing Egde führte mit Guthabenzinsen von bis zu 5,7 Prozent alle Ranglisten an. Nach der Sicherheit der Anlage gefragt, verwiesen die Isländer auf die Einlagensicherung. Diese sichere Einlagen bis zu 20 887 Euro. Dass dem erst einmal nicht so war, zeigte sich nach der Insolvenz des Instituts am 9. Oktober 2008: Der bereits schwer angeschlagene isländische Einlagensicherungsfonds wollte für deutsche Kundengelder nicht geradestehen. Die Anleger erlebten eine monatelange Zitterpartie um ihre ersparten Euro.

Doch Kaupthing Edge ist nicht das einzige „Opfer“ der Finanzkrise: Mit der Insolvenz von Lehman Brothers im Herbst 2008 wurde erstmals eine angeschlagene große Investmentbank nicht von ihren Mitbewerbern finanziell aufgefangen – mit herben Konsequenzen insbesondere für Anleger, die Zertifikate dieses einst angesehenen Emittenten im Depot hatten.

Selbst vermeintlich sichere Geldanlagen können also schnell zum Risikospiel werden. Dies gilt bis heute, denn auch jetzt könnte noch eine Bank das Handtuch werfen müssen. Bei jeder Geldanlage ist deshalb das Chance-Risiko-Verhältnis realistisch abzuschätzen und danach zu entscheiden. Die Risiken der wichtigsten Anlageformen im Überblick:

Kontenanlagen (Tages-/Festgelder, Sparbücher, Sparbriefe, Ratensparverträge): Fast alle deutschen Kreditinstitute sind an ein großes Einlagensicherungssystem angeschlossen. So sehen die Sparkassen und Genossenschaftsbanken ein mehrstufiges Sicherungssystem vor, das einen „Institutsschutz“ gewährt, der im Fall einer drohenden Insolvenz greift und für alle Einlagen sowie Wertpapieremissionen gilt. Private Banken sind meist der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken angeschlossen, die Kundeneinlagen von bis zu 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals des Instituts absichert. Darüber hinaus hat die Bundesregierung eine unbegrenzte Garantie versprochen. Ausländische Banken unterliegen aber oft nicht der deutschen Einlagensicherung; hier gilt das Einlagensicherungssystem des jeweiligen Landes. Analog zum Fall Kaupthing sollten sich Anleger im Klaren sein, dass es problematisch sein kann, als deutscher Anleger von einem ausländischen Einlagensicherungsfonds Zahlungen zu erhalten.

Anlagen bei Wertpapierhandelsunternehmen (zum Beispiel bei freien Finanzvermittlern) sind grundsätzlich zwar nicht über einen Einlagensicherungsfonds geschützt, jedoch besteht für sie die „Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen“ (EdW). Die Absicherung, die zum Beispiel bei Betrugsfällen zum Tragen kommt, ist aber auf 90 Prozent ausstehender Forderungen, maximal 20 000 Euro, beschränkt. Zudem ist der Fonds seit der Phönix-Pleite unterfinanziert.

Anleihen (festverzinsliche Wertpapiere, Schuldverschreibungen, Stufenzinspapiere et cetera) sind immer nur so sicher wie der dahinter stehende Name. Die geringsten Risiken bestehen daher bei europäischen Staatsanleihen, bei den neuartigen staatsgarantierten Bonds sowie Titeln von Geldhäusern, für die ein Institutsschutz gilt. Unwahrscheinlich ist es aber auch, dass eine der großen deutschen Banken ihren Tilgungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen könnte. Anders die Lage bei Unternehmensanleihen: Hier reicht die Palette von den als weitgehend sicher einzustufenden Papieren deutscher Großkonzerne bis hin zu spekulativen Papieren etwa US-amerikanischer Automobilzulieferer. Die geringste Sicherheit bieten „nachrangige Anleihen“, bei denen im Fall der Insolvenz des Emittenten Anleihebesitzer erst nach Befriedigung anderer Gläubiger bedient werden. Wichtige Entscheidungshilfen sind die Ratings der Agenturen. Aber auch die Höhe der Rendite kann als Maßstab dienen: je größer die Ertragschancen, umso riskanter die Anlage. Neben dem Emittentenrisiko besteht bei allen börsengehandelten Papieren ein Kursrisiko. Steigende Zinsen belasten die Notierungen, sinkende Kapitalmarktzinsen bringen Kursgewinne. Bei Fremdwährungsanleihen ist das Währungsrisiko zu berücksichtigen.

Pfandbriefe sind eine Sonderform von Anleihen. Sie sind mit eigenen Sicherheiten in Form von Hypotheken unterlegt. Im Insolvenzfall werden daraus zunächst die Pfandbriefgläubiger entschädigt, erst dann fließt das verbleibende Kapital in die Insolvenzmasse ein. Hinsichtlich der Kursrisiken gilt das Gleiche wie für Anleihen. Damit sind Pfandbriefe eine Stufe sicherer als andere Anleihen.

Wandelanleihen sind Schuldverschreibungen, die eine Wandlung in Aktien des Unternehmens innerhalb festgelegter Vorgaben ermöglichen. Damit sind sie so sicher beziehungsweise unsicher wie das Unternehmen selbst. Die Kursentwicklung richtet sich unter anderem nach der Zinsentwicklung am Kapitalmarkt, den genauen Wandlungskonditionen und schließlich der Kursentwicklung der zugrunde liegenden Aktie.

Genussscheine stellen eine Art „Zwitterform“ aus Anleihen und Aktien dar. Einerseits wird dem Anleger meist eine regelmäßige Zinszahlung sowie die Rückzahlung zu einem festen Termin zugesagt. Andererseits gilt das Genussscheinkapital rechtlich als Eigenkapitalersatz, das heißt, im Fall einer finanziellen Schieflage kann der Anleger an einer Kapitalherabsetzung beteiligt werden – wobei diese Herabsetzung je nach Möglichkeit des Unternehmens in den Jahren bis zur Fälligkeit wieder ausgeglichen werden muss. Im ungünstigsten Fall wird das Unternehmen jedoch insolvent, wobei der Anleger sein gesamtes Kapital verlieren kann. Daneben kommt es zu börsenbedingten Kursschwankungen.

Zertifikate (Index-, Basket-, Discount- oder auch Bonuszertifikate): Rechtlich gesehen handelt es sich bei den meisten dieser Papiere um Inhaberschuldverschreibungen des jeweiligen Instituts, deren Verzinsung und Rückzahlung an bestimmte Ereignisse gekoppelt sind, etwa an die Wertentwicklung eines Index. Zertifikate sind damit nur so sicher wie der Emittent selbst. Aktuell sollten sich Anleger daher in erster Linie auf die Papiere sehr renommierter deutscher und internationaler Institute beschränken, deren Insolvenz sehr unwahrscheinlich ist. Die Kursrisiken richten sich nach der Entwicklung des jeweiligen Basisprodukts.

Investmentfonds (Aktien-, Renten-, Immobilien- oder Geldmarktfonds) werden von Kapitalanlagegesellschaften aufgelegt. Die Kundengelder gelten als Sondervermögen, sodass selbst im Fall der Insolvenz des Emittenten das angelegte Kapital sicher ist. Allerdings kann es zu vorübergehenden Schließungen kommen, das heißt, der Kunde kann über einen gewissen Zeitraum Anteile nicht veräußern. Die Wertentwicklung richtet sich nach dem Anlagespektrum und dem Geschick des Managements. Bei Geldmarkt-, Renten- und Immobilienfonds sind die Risiken weitgehend überschaubar, Aktienfonds können erhebliche Wertschwankungen aufweisen.

Aktien sind direkte Unternehmensbeteiligungen. Im Insolvenzfall können Aktionäre kaum mit einer Rückzahlung rechnen. Im Gegenzug bieten Aktien jedoch wesentlich größere Chancen, wenn ein Unternehmen erfolgreich ist. Auch haben die Dividendenzahlungen mancher deutscher Aktiengesellschaft heute ein Niveau erreicht, das sie problemlos mit Anleihen konkurrieren lässt.

Kapitallebens- oder Rentenversicherungen: Hier besteht seit 2004 in Form der Protektor-Lebensversicherungs-AG eine Sicherungseinrichtung, über die im Insolvenzfall die Ansprüche der Kunden gedeckt werden. Nicht darunter fallen allerdings die meisten Policen ausländischer Versicherer, für die jedoch oftmals eigene Sicherungseinrichtungen bestehen. Fraglich ist jedoch, ob diese im Insolvenzfall greifen, insbesondere aber deutsche Kunden entschädigen. Kursrisiken bestehen bei Kapitallebensversicherungen vorrangig dann, wenn der Sparanteil zum Beispiel in Form von Investmentanteilen im Rahmen einer fondsgebundenen Lebensversicherung angelegt wird. Peter Jobst
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