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Investmentfonds: Das große Sterben

Löwe, Armin

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LNSLNS Große Investmentgesellschaften haben angekündigt, Investmentfonds aus ihrer Angebotsliste zu streichen. Was betroffene Anleger wissen sollten

Foto: iStockphoto
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Nachdem einige große Fondsgesellschaften ankündigten, die Palette ihrer Angebote ausdünnen zu wollen, ist in der Branche vom „großen Fondssterben“ die Rede. Mitte August gab AGI (Allianz Global Investors), Tochter der Allianz, bekannt, dass 109 Fonds aus der Angebotsliste gestrichen werden sollen. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS hatte vorher bereits gemeldet, bis Mitte 2010 rund 100 Fonds aus dem Markt zu nehmen.

Mittelabflüsse und Wertverluste haben dazu geführt, dass die Volumina zahlreicher Fonds stark gesunken sind. In der Folge sind diese Fonds nicht mehr wirtschaftlich für die Kapitalanlagegesellschaften. Die Schwelle zur Unrentabilität liegt je nach Fondsgesellschaft und Anlageschwerpunkt bei 20 bis 50 Millionen Euro. Allerdings sind nicht alle Fonds dieser Größenordnung von der Einstellung bedroht. Aus Imagegründen oder um den Anlegern eine möglichst breite Fondspalette anbieten zu können, halten die Gesellschaften auch an kleineren Fonds fest und berechnen diesen geringere Gebühren. Das gilt auch für den Fall, dass die Minifonds als Depotbausteine für Dachfonds benötigt werden. Doch in Zeiten der Wirtschaftskrise werden solche Quersubventionierungen auf den Prüfstand gestellt.

Die Kosten für die Verwaltung des Fonds entnimmt die Kapitalanlagegesellschaft aus der Performance des Fonds und – wenn es keine Wertsteigerung gibt – aus dem Fondsvermögen. Die Verwaltungskosten mindern also die Rendite oder gar die Substanz. Fonds mit zu hohen Kosten weiterzuführen, ist auch aus Anlegersicht nicht sinnvoll. In der Regel versuchen die Gesellschaften, Fonds, die zu klein geworden sind, auf andere größere Fonds zu verschmelzen. Man ist also bemüht, die Schließung von Fonds zu vermeiden und die Anleger zu veranlassen, in einen größeren Fonds zu wechseln. Ein solcher Tausch in einen anderen Fonds derselben Gesellschaft ist für den Anleger steuerlich vorteilhafter als die Schließung.

Die Abgeltungsteuer
Wird ein Fonds geschlossen, liegt steuerlich eine Rückgabe der Fondsanteile vor. Wurden die Fondsanteile vor dem 1. Januar 2009 angeschafft und beträgt die Haltedauer weniger als zwölf Monate, muss der Anleger auf den Veräußerungsgewinn Einkommensteuer zahlen, deren Höhe sich aus dem persönlichen Steuersatz ergibt. War der Anleger länger engagiert, bleibt der Veräußerungsgewinn steuerfrei. Kauft er für den Erlös einen anderen Fonds, so fällt die Abgeltungsteuer an, sobald er diesen wieder verkauft. Wurden die Fondsanteile nach dem 1. Januar 2009 erworben, ist immer Abgeltungsteuer auf den Veräußerungsgewinn fällig.

Eine Verschmelzung von in Deutschland zugelassenen Fonds ist hingegen in aller Regel „steuerunschädlich“. „Der Tausch von Anteilen des zu verschmelzenden Fonds in Anteile des aufnehmenden Fonds oder Zielfonds gilt, sofern die Gesellschaften gesetzlich definierte Voraussetzungen erfüllen, steuerlich als Fortführung der bisherigen Fondsanlage“, erläutert Gerd Bennewirtz von der SJB FondsSkyline OHG 1989 in Korschenbroich. Der Bestandsschutz, der mit der Einführung der Abgeltungsteuer an die Fondsanleger gewährt wurde, bleibt also erhalten.

Für den Anleger, der die Fusion seines Fonds zum Anlass nimmt, sein Engagement zu überdenken, ist wichtig, dass er die Ablehnung des Umtauschangebots schriftlich mitteilt. Ansonsten erfolgt automatisch der Umtausch gemäß dem Vorschlag der Kapitalanlagegesellschaft. Eventuell bestehende Anspar-/Entnahmepläne werden ohne andere ausdrückliche Weisung ebenfalls automatisch auf den aufnehmenden Fonds übernommen. Wer das Umtauschangebot nicht annimmt und einen Fonds einer anderen Kapitalanlagegesellschaft erwirbt, muss dort natürlich den Ausgabeaufschlag zahlen. Anleger, die das Umtauschangebot annehmen, werden sich hingegen in Fonds wiederfinden, die sehr breit aufgestellt sind. Wer sehr spezielle Zielsetzungen mit seinem Engagement verfolgt, sollte sich dies deshalb gut überlegen. Armin Löwe
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