ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2009Nierenzellkarzinom: Dualer Angriff bremst Progression

PHARMA

Nierenzellkarzinom: Dualer Angriff bremst Progression

Heinzl, Susanne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Der mTOR-Hemmer Everolimus verlängert das progressionsfreie Überleben von Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom und ist jetzt für diese Indikation zugelassen worden.

Das mammalian Target of Rapamycine (mTOR) ist eine Serin-Threonin-Kinase, die in der Krebszelle als zentraler Regulator von Wachstum, Zellteilung und Stoffwechsel wirkt und an der Gefäßneubildung beteiligt ist. Everolimus (RAD001) ist ein oral applizierbarer mTOR-Hemmer mit dualer Wirkung: Er hemmt das Wachstum von Tumorzellen und wirkt antiangiogen, denn er hemmt die Ausschüttung von Wachstumsfaktoren wie VEGF durch Tumorzellen und das Wachstum von Endothelzellen und Perizyten (Grafik).

Basis für die Zulassung von Everolimus waren die Ergebnisse der internationalen multizentrischen placebokontrollierten doppelblinden RECORD-1-Studie der Phase III (RECORD für Renal cell cancer treatment with oral RAD001 given daily). 416 Patienten mit diagnostisch gesichertem fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom und einer vorangegangenen Behandlung mit einem VEGF-Rezeptor-Tyrosinkinase-inhibitor wurden im Verhältnis zwei zu eins randomisiert. Sie erhielten täglich oral 10 mg Everolimus oder Placebo – jeweils in Kombination mit der besten supportiven Therapie. Primärer Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben.

Mit höchstem Evidenzlevel empfohlen
Bei Behandlung mit Everolimus verlängerte sich im Vergleich zu Placebo das mediane progressionsfreie Überleben von 1,9 auf 4,9 Monate signifikant (p < 0,001). Everolimus verlängerte die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung in allen Subgruppen und damit unabhängig von Geschlecht, Alter, Vorbehandlung oder Risikogruppe. Anders als der mTOR-Hemmer Temsirolimus wirkt Everolimus bei Patienten aller Risikogruppen, also auch bei denen mit hohem Risiko. Die Ursache für diese Unterschiede sei bislang unklar, sagte Prof. Dr. med. Kurt Miller (Berlin) in Nürnberg.

Bei Fortschreiten der Erkrankung erhielten 81 Prozent der Patienten aus der Placebogruppe ebenfalls Everolimus. Mit diesem Cross-over erklärt sich der Berliner Urologe, dass kein Unterschied im medianen Gesamtüberleben zwischen den beiden Gruppen gesehen werden konnte (14,8 versus 14,4 Monate, p = 0,177). Schwere unerwünschte Wirkungen einschließlich hämatologischer Veränderungen waren selten. Die gute Verträglichkeit zeigt sich nach Aussage von Miller auch an der geringen Rate der Patienten, die die Studien wegen Nebenwirkungen abbrachen: Im Everolimus-Arm waren es 13 von 274 Teilnehmern.

In den europäischen Leitlinien der European Association of Urology und der European Organisation for Research and Treatment of Cancer Genitourinary wird Everolimus als medikamentöse Standardtherapie beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom nach Behandlung mit einem Tyrosinkinaseinhibitor mit höchstem Evidenzlevel empfohlen. Auch die US-amerikanischen Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network führen für das fortgeschrittene Nierenzellkarzinom Eve-rolimus mit einer Kategorie-1-Empfehlung auf.
Dr. rer. nat. Susanne Heinzl
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema