ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2009Medizinische Rehabilitation: Von Krise bislang keine Spur

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Medizinische Rehabilitation: Von Krise bislang keine Spur

Hibbeler, Birgit

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LNSLNS Der Aufwärtstrend bei den Rehabehandlungen zulasten der gesetzlichen Rentenversicherung hat sich 2008 fortgesetzt. Und auch im ersten Halbjahr 2009 blieb die Zahl der Anträge und Bewilligungen stabil – trotz der Wirtschaftskrise.

Rehabilitation ist in erster Linie vom medizinischen Bedarf abhängig. Doch bei der Inanspruchnahme spielt ebenfalls die Konjunktur eine Rolle. Denn wer in einem sicheren Beschäftigungsverhältnis steht, stellt vermutlich eher einen Rehaantrag als ein gesundheitlich eingeschränkter Arbeitnehmer, der Angst um seinen Job hat. Dass die medizinische Rehabilitation seit 2006 einen Zuwachs erlebt hat, ist daher auch im Zusammenhang mit der guten wirtschaftliche Lage in den vergangenen Jahren zu sehen.

Dieser Aufwärtstrend hat sich 2008 erneut fortgesetzt: Die Zahl der Rehabehandlungen zulasten der gesetzlichen Rentenversicherung ist weiter gestiegen. Rund 1,59 Millionen Anträge wurden gestellt, etwa 1,06 Millionen bewilligt (Grafik 1). Die Rentenversicherungsträger gaben im vergangenen Jahr 3,98 Milliarden Euro für medizinische Rehabilitation aus (2007: 3,77 Milliarden). Und auch im ersten Halbjahr 2009 blieb die Zahl der Rehabilitationsleistungen stabil – trotz der Wirtschaftskrise. Hier standen circa 869 000 Anträge rund 568 000 Bewilligungen gegenüber. Das entspricht einem leichten Zuwachs um 0,8 beziehungsweise 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Eigentlich hatte die Deutsche Rentenversicherung (DRV) für das erste Halbjahr dieses Jahres aufgrund der nachlassenden Wirtschaftskraft mit einem Rückgang gerechnet. „Die stabile Inanspruchnahme kam für uns eher unerwartet“, erklärte Dr. med. Christiane Korsukéwitz, Leiterin des Geschäftsbereichs Sozialmedizin und Rehabilitation der DRV Bund, dem Deutschen Ärzteblatt. Die Interpretation der bisher vorliegenden Zahlen aus dem Jahr 2009 ist aus ihrer Sicht schwierig. Möglicherweise sei durch die Regelungen zur Kurzarbeit die Arbeitsplatzunsicherheit noch nicht so groß gewesen wie erwartet.

Grundsätzlich ist die steigende beziehungsweise stabile Zahl der Anträge nach Einschätzung von Korsukéwitz ein Beleg für die wachsende Akzeptanz medizinischer Rehabilitation. Dass sich die DRV seit Jahren für eine evidenzbasierte, qualitätsgesicherte und wirtschaftliche Rehabilitation einsetze, wirke sich positiv aus. Zugleich steige aber auch der Rehabedarf. Dafür nennt Korsukéwitz drei wesentliche Gründe: die Erfolge in der Akutmedizin, die längere Lebensarbeitszeit und aktuell auch die geburtenstarken Jahrgänge. Viele Rehaanträge stammten aus den Jahrgängen der Baby-Boomer, also von Versicherten, die im Zeitraum von 1955 bis 1965 geboren wurden.

Nicht nur der zunehmende Rehabilitationsbedarf war ein Trend der vergangenen Jahre. Immer mehr Leistungen wurden als Anschlussrehabilitation (AHB) erbracht, die ambulante Reha legte kontinuierlich zu. Der AHB-Anteil blieb 2008 nun aber stabil bei 29,3 Prozent (2007: 29,7 Prozent, Grafik 2). 10,6 Prozent der Rehabilitationsleistungen zulasten der gesetzlichen Rentenversicherung wurden im vergangenen Jahr ambulant erbracht (2007: 10,2 Prozent). Die Zuwachsraten sind bei der ambulanten Reha also nicht mehr so deutlich wie in den vergangenen Jahren. Allerdings spielen in diesem Bereich die Indikation und regionale Unterschiede eine große Rolle. Für die Orthopädie liegt der DRVzufolge der Anteil in Ballungsräumen bereits heute bei bis zu 30 Prozent. „Wir gehen hier von einer gewissen Sättigung aus“, sagte Korsukéwitz.
Dr. med. Birgit Hibbeler
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