ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2009Zufallsbefunde: Neue Fassung
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. . . Zum Forscher-Probanden-Verhältnis hat eine Arbeitsgruppe am Institut für Wissenschaft und Ethik der Universität Bonn einen kritisch kommentierten Leitlinienentwurf im DÄ (Heinemann et al., 2007) veröffentlicht. Nach Einwänden zum Beispiel von Mitgliedern, aber auch vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (Hentschel & von Kummer, 2009) liegt nun eine neue Fassung als „Ethisch angemessener Umgang mit Zufallsfunden bei bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung: Leitlinienvorschlag“ (unveröffentlicht) vor. Der Vorschlag wird nicht mehr diskutiert, sondern soll – per acclamationem – als Vorlage für einen Leitlinienprozess dienen. Diese Vorlage berücksichtigt nicht die gut begründeten Anregungen und Forderungen, die auf einen standardisierten (Synofzik, 2007), auch international geforderten (Illes et al., 2004, 2008) Umgang mit Signalauffälligkeiten in neurowissenschaftlichen Studien zielen. Im Zentrum des Interesses des Leitlinienvorschlages steht die Exkulpierung des Forschers, der in Abgrenzung zu „good scientific practice“ mit Bezug auf die „Freiheit der Forschung“ keine Qualifikation über sein unmittelbares Forschungsinteresse hinaus haben muss. Auch wird er aus „prinzipiellen Erwägungen“ nicht verpflichtet, Experten mit speziell fortgebildeter Kompetenz als (Neuro-) Radiologen oder Nuklearmediziner einzubeziehen. Zudem bekommt der Forscher das Recht, Datensätze ungesichtet zu verwerfen . . . Dem fremdnützig an einer Studie teilnehmenden Probanden wird die Information über einen möglicherweise bedeutsamen Befund vorenthalten. Das ist ethisch nicht zu vertreten. Zudem ist eine Studie, deren Wissenschaftlichkeit der Analyse zu bezweifeln ist, ethisch nicht vertretbar gegenüber dem Sponsor, der Ethikkommission und letztlich dem Probanden.

Konsens von Forscher, Rechtswissenschaftler und Experten sollte es sein, den Inhalt der Studien nach „good scientific practice“ zu analysieren, den Probanden betreffende Ergebnisse der neurowissenschaftlichen Studie standardisiert zu erheben und unter Berücksichtigung der informationellen Selbstbestimmung zugängig zu machen, wie dies in Kenntnis internationaler Diskussionen angeregt wurde (Hentschel & Klix, 2006). Es besteht die Gefahr, dass sich Deutschland gegenüber den ethischen Ansprüchen in der internationalen scientific community isoliert!

Literatur bei dem Verfasser
Prof. Dr. Frank Hentschel, Abteilung Neuroradiologie, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, J5, 68159 Mannheim
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