ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2009Tansania: Wunschgedanke
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Ich habe 26 Jahre in den Tropen, vor allem in Afrika, gearbeitet und bin der Meinung, dass der im Leserbrief kritisierte Satz von Frau Blaschke, dass traditionelle Heiler mehr Schaden als Nutzen verursachen, zu Recht besteht.
Aus Kostengründen geht die Landbevölkerung zuerst zum Heiler, der durch unsachgemäße Behandlung oft den Weg zum Hospital verzögert. Wenn dann der Patient in desolatem Zustand schließlich ins Hospital kommt, ist oft eine Hilfe nicht mehr möglich. Ich habe des Öfteren Fälle von Ileus gesehen, die nach dreitägiger unsachgemäßer Behandlung durch den Heiler zum Hospital gebracht wurden und nun in desolatem Zustand nicht mehr operationsfähig waren. Luxationen wurden in einem Stäbchenverband fixiert, anstatt eingerenkt zu werden und versteiften. In diesem Zustand suchten die Patienten dann das Hospital auf. Frakturen wurden mit einem viel zu kleinen Stäbchenverband fixiert und heilten in Fehlstellung. Viele dieser Fehlleistungen wären bei einem rechtzeitigen Hospitalbesuch vermieden worden . . . Oft ist es ein Wunschgedanke der Europäer, an die Wunder der Naturheiler zu glauben, der dann einer näheren Untersuchung nicht standhält.
Dr. med. Detlev Wissinger, Auf dem Kiewitt 4, 21397 Barendorf
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