ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2009Fallpauschalen: Konfliktsituationen sind unvermeidlich
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LNSLNS Die im Artikel zitierten Auswertungen freiwilliger Selbstauskünfte von fünf bis 15 Prozent der deutschen Krankenhäuser ergeben also, dass bei einer Prüfquote von zehn bis elf Prozent aller Krankenhausrechnungen bei ca. 40 Prozent Beanstandungsgründe gefunden werden. Die Autoren bestätigen damit Zahlen, von denen auch der MDS ausgeht.

Zur Rechtfertigung wird auf die „nicht trivialen und intuitiv zu erfassenden Vorgaben“ verwiesen, also um Verständnis dafür gebeten, dass unangemessene Rechnungen quasi zwangsläufig gestellt werden müssen. Diese seien doch immerhin „seltener als sie aufgrund der komplexen Codierung zu erwarten seien“. Leider teilen die Autoren nicht mit, was sie denn erwartet hätten.

Zusätzlich wird mit Zahlenspielen versucht, die unstreitige Beanstandungsquote von vier bis fünf Prozent kleinzurechnen. Nur 23 Prozent der Fälle würden in Bezug auf Falschcodierung geprüft, die übrigen Fälle „nur“ auf Notwendigkeit und Dauer des stationären Aufenthaltes. Diese Zahlen aus Selbstauskünften sollten mit größter Zurückhaltung bewertet werden – das Verhältnis bei den Gründen der Rechnungsbeanstandung stellt sich sowohl in den Zahlen der Medizinischen Dienste, als auch in einigen Zahlen von Krankenkassen durchaus anders dar. Aber diese Rate ist auch relativ uninteressant, denn es kann wohl nicht ernsthaft argumentiert werden, dass die Abrechnung von unnötigen oder unnötig langen stationären Aufenthalten korrekt wäre! . . . Es bleibt dabei: Mindestens vier Prozent aller Rechnungen sind zu beanstanden. Dies erkennen offensichtlich die Krankenhäuser auch an und überweisen die Rückforderungen – ein nennenswerter Betrag, der so dem Solidarsystem wieder zur Verfügung steht.

Der MDS stellt fest, dass es weiterhin und über die letzten Jahre keineswegs abnehmend Beanstandungen an Krankenhausrechnungen in relevantem Ausmaß gibt. „Betrügerische Absicht“ oder „frisieren“ gehören nicht zu unserem Sprachgebrauch. Die Gutachter der Medizinischen Dienste übernehmen die ihnen vom Gesetzgeber zugewiesene Rolle bei Auseinandersetzungen zwischen Leistungserbringern und Kassen. Sie tun dies im Übrigen auch im Sinne und Interesse der korrekt abrechnenden Krankenhäuser. Konfliktsituationen sind dabei unvermeidlich. Diese sollten idealerweise mit Kompetenz und ohne Emotionen bewältigt werden. Die Suche nach konstruktiven Lösungen, für die es viele Ansätze und Beispiele gibt, ist dabei allemal hilfreicher, als völlig „unberechtigte Vorwürfe“.

Dr. med. Annette Busley, Prof. Dr. med. Jürgen Windeler, Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS), Lützowstraße 53, 45141 Essen
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