ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2009Kommissionierautomat für Arzneimittel: Apothekenroboter im Kommen

TECHNIK

Kommissionierautomat für Arzneimittel: Apothekenroboter im Kommen

Dtsch Arztebl 2009; 106(41): A-2023 / B-1735 / C-1699

Imhoff-Hasse, Susanne

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Foto: Willach und Heise
Foto: Willach und Heise
Eine Apothekerin wählt im Computer ein Arzneimittel aus, ein Klick – und Sekunden später rutscht die Faltschachtel durch den Ausgabeschacht in den Verkaufsraum der Apotheke. Ein Automat mit Sauggreifer im Hintergrund macht’s möglich.

Seit zehn Jahren gibt es Kommissionierautomaten, die Medikamente zum Beispiel mit Roboterarmen einlagern und ausgeben. Kamen anfangs noch Störungen und Abstürze der Roboter vor, gilt die heutige Technik als ausgereift. Die Geräte ähneln innen automatisierten Apothekenzieh- oder Rollschränken. In den meisten Geräten wie dem „Apostore 3 000“ oder der „G-Serie“ werden die Packungen nach dem sogenannten chaotischen Lagerprinzip in Einzelplätzen aufbewahrt, wohingegen in den „Kanalautomaten“ („Consis A“ und „B“) die Schachteln separat hintereinander wie im Zigarettenautomaten aufgereiht werden.

Nach Anforderung des Präparats setzt sich der Automat etwa beim „Consis C“ im Lagerraum in Bewegung, ein Sauger fährt zum Medikament, die Produkte gelangen meist über Transportbänder bis hinter das Sichtwahlregal, durch das sie in eine Schale in den Verkaufsraum fallen. Seltener ist der Transport über durchsichtige Plastikrohre zu Ausgabeschächten. Optional kann eine vollautomatische Warenübernahme für das fehlerfreie Bestücken des Automaten integriert werden. Die Apothekenangestellten geben die Packungen unsortiert in einen Einfülltrichter, diese werden nach oben transportiert, dann rutschen die Schachteln eine Wendelrutsche hinunter und richten sich wegen der Fliehkräfte nach ihrer Größe aus. Nach Ablesen des Strichcodes werden sie zu passenden Lagerplätzen geschickt. Bei anderen Varianten gibt es Greifer, wobei beide in einem Gang frei aneinander vorbei Packungen ein- und auslagern.

Die Apotheker gewinnen so mehr Zeit für die Gespräche mit Patienten, denn das Umherlaufen und Suchen der Arzneimittel in den herkömmlichen Schubladen entfällt. Vorteilhaft ist es, wenn der Apothekenroboter im Keller oder ersten Stockwerk steht, die als Flächen zumeist kostengünstiger als das Erdgeschoss sind.

In geschätzt sieben Prozent der rund 21 700 Apotheken steht heute ein solcher Automat, Tendenz steigend. Vor allem bei Neueröffnungen entscheiden sich Leiter zunehmend für einen Kommissionierer, wenn die Kalkulation stimmt. Die Geräte der 20 Anbieter ermöglichen zwar eine rationalisierte Warenwirtschaft, sie schlagen jedoch je nach Größe mit Anschaffungskosten zwischen 100 000 und 200 000 Euro und Wartungskosten zu Buche. Auf die Apotheker oder pharmazeutisch-technische Assistenten kann wegen der gesetzlichen Beratungspflicht bei der Arzneiabgabe nicht verzichtet werden. Zumindest für große Apotheken, etwa in Innenstädten, deren Mitarbeiter permanent vorn am Beratungstisch stehen, rechnet sich die Anschaffung eher als für kleine.

Einige der Geräte sind auf künftige Identifikationstechnologien wie Data Matrix oder RFID (Radio Frequency Identification) vorbereitet. Beim zweidimensionalen Data-Matrix-Code ist, verglichen mit eindimensionalen Barcodes, die Informationsdichte pro Flächeneinheit erhöht, was auch für die Lokalisierung von Gegenständen mittels elektromagnetischer Wellen beim RFID-System gilt. Mit beiden Technologien können mehr Daten als das Verfallsdatum erfasst werden.
Susanne Imhoff-Hasse
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