ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2009Börsebius: Mühsame Erträge

GELDANLAGE

Börsebius: Mühsame Erträge

Dtsch Arztebl 2009; 106(41): A-2025 / B-1736 / C-1700

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LNSLNS Als sich die Banken unterein-ander nicht mehr trauten und auch kein Geld gegenseitig mehr anvertrauen wollten, profitierten Renditejäger von dieser geballten Misstrauensfront in ungewöhnlich attraktiver Weise. Für Tagesgelder zahlten die nach Liquidität gierenden Institute satte Zinsen, deutlich über der Fünfprozentmarke. Die goldenen Zeiten sind gerade mal ein Jahr alt, gleichwohl heute schon Vergangenheit.

Heute ist, wo sich die Institute wieder lieb haben, eher karge Kost am Markt für Termineinlagen und Tagesgeld angesagt, ach, was sage ich, karg, die derzeitig üblichen Zinsen von in der Regel unter einem Prozent auf dem Tagesgeldkonto reichen kaum für Wasser und Brot und langen schon gar nicht zu einem vernünftigen Inflationsausgleich.

Auf der Suche nach höherwertigeren Angeboten müssen sich die Renditejäger auf jede Menge Fallstricke und Leimruten einstellen, wobei in jedem Fall von vornherein klar ist, dass es, egal wo, bessere Zinsen niemals für Bestandskunden gibt, sondern immer nur für Fresh Money.

Wer also mit frischer Kohle unterwegs ist, muss höllisch aufpassen, vom Kleingedruckten nicht übertölpelt zu werden. Als besonders attraktiv gelten etwa Direktbanken. Aber auch hier sind die klangvollen Angebote oft nur limitiert. Lediglich bis zu 10 000 Euro zahlt etwa die 1822-Direct einen Zinssatz von 2,75 Prozent, das ist derzeit wirklich sehr viel. Darüber hinaus bis 50 000 Euro gibt es nur noch 2,30 Prozent, aber auch die nur bis zum ersten Dezember, danach verbleiben nur noch mickrige 1,30 Prozent.

Toll klingt auch das Angebot der ING-Diba, die nebst einer Prämie von 25 Euro eine Rendite von 2,50 Prozent auslobt. Nach dem 31. Januar nächsten Jahres fällt die Rate auf 1,3 Prozent und kann auch noch weiter nach unten angepasst werden. Richtig ernst nehmen sollte der Anleger solche Tricksereien nun wirklich nicht.

Es kann aber auf der Reise durch den Bankendschungel durchaus noch komplizierter werden. Bis Ende März 2010 (und danach?) werden vom Online-Broker DAB zwei Prozent aufs Tagesgeld garantiert, wenn bis zu 40 000 Euro eingezahlt werden. Je nach mitgebrachtem Wertpapierdepot und Wertpapiertransaktionen lässt sich dieser Zinssatz steigern, und der begeisterte Kunde merkt am Ende nicht, dass er sich diese (höheren) Zinsen über Depotgebühren und Transaktionsspesen bei Wertpierkäufen selbst subventioniert.

Ein mühsames Geschäft also für Renditejäger. Wenig Erträge, viel Lauferei, und nach ein paar Wochen geht die Sucherei aufs Neue los. Wer sich einmal die Mühe gemacht hat, weiß, dass die aufwendige, zeitraubende Prozedur der Kontoeröffnung den Nutzen kaum rechtfertigt. Besonnene Bankkunden sollten am Ende alles beim Alten belassen. Bis wirklich wieder bessere Zeiten und bessere Angebote kommen.
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