ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2009Gesundheitsakten & Co.: Yes we can!

POLITIK: Die Glosse

Gesundheitsakten & Co.: Yes we can!

Kesztyüs, Tibor

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Glosse - Prof. Dr. med. Tibor Kesztyüs, Hochschule Ulm

Die Speicherung von sogenannten Gesundheitsdaten wird heiß diskutiert. Allein die Vielfalt der terminologischen Schlagworte kann einen schwindelig werden lassen. Als hätten wir nicht schon mit der ärztlichen Arbeit genug zu tun, müssen wir uns auch noch mit Dingen wie „Chipkarte“, „elektronischer Patientenakte“, „zentraler oder dezentraler Datenspeicherung“, „Server“, „USB-Sticks“ und ähnlichen geheimnisvollen Themen beschäftigen. Und dann gibt es auch noch ständig Meldungen über Probleme und „Katastrophen“.

Wo liegt das eigentliche Problem? Vielleicht nutzen wir einfach das falsche Medium! Anstatt auf elektronische Medien wie etwa Chipkarten zu setzen, könnten wir uns nach geeigneten Alternativen umschauen. Und da hätte ich einen revolutionären Vorschlag: Statten wir jeden Bundesbürger mit einer eigenen „realen“ Patientenakte (RPA = reale Patientenakte) aus, die dem Patienten direkt mitgegeben wird. Diese RPA würde in Form einer großen Mappe ausgeführt sein, damit auch Röntgenbilder darin untergebracht werden können. Eine einheitliche Struktur beziehungsweise Ordnung innerhalb der RPA wäre dafür Voraussetzung. Selbstverständlich müsste das Design für alle RPAs im Bundesgebiet einheitlich sein. In den einzelnen Fächern könnten Befunde, Arztbriefe, Bilder etc. chronologisch abgelegt werden. Die Patienten würden angewiesen, ihre persönliche RPA zu den Arztbesuchen mitzubringen.

Mit etwas Verhandlungsgeschick und durch Kooperation mit einem der großen Taschenproduzenten ließe sich hier ein edles Modell erstellen, welches auch anspruchsvolleren Anforderungen genügt. Schließlich geht es um ein Liefervolumen von mehr als 80 Millionen Stück. Außerdem sollte bei einem Preis von 62,50 Euro je RPA wirklich etwas Ansprechendes herauskommen. Dies gilt bei einem Einführungspreis von rund fünf Milliarden Euro, der ja wohl als Schnäppchen gelten kann.

Was könnten wir damit erreichen?
Mittels der RPA wird eine klare Zuordnung der Daten zum Patienten erreicht.
Die RPA wäre von jedermann sofort bedienbar, und zwar ohne jegliches Zubehör. Auch die Patienten könnten damit bequem umgehen (Barrierefreiheit).
Weitere Hardware oder Software wäre nicht erforderlich.
Die Informationen über etwaige bereits gemachte Untersuchungen oder anderweitige Therapien sind immer beim Patienten verfügbar.
Über Jahre eingespielte Arbeitsabläufe in den Institutionen bedürften nur kleiner Änderungen, denn ein Arbeiten mit Papier ist nach wie vor üblich und gut beherrschbar.
Rezepte blieben unverändert, weil sie als reale Dokumente beziehungsweise als Kopien in dieser Akte abgelegt werden – fälschungssicher wie bisher auch.
Hinsichtlich der Datensicherheit hätten wir keine Probleme mehr mit Angriffen von Hackern. Die RPA ist aus dem Internet definitiv nicht zu knacken.
Bei entsprechender Materialwahl könnte die RPA bei ungünstigem Wetter sogar einen Regenschutz bieten. – Versuchen Sie das mal mit einem USB-Stick oder einer Chipkarte.
Nun warten wir, bis eventuell Anfang nächsten Jahres die Diskussion über das korrekte Design und die richtige Farbe für die RPA beginnt …
Ich freue mich darauf!
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