ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2009Psycholytische Therapie: Absolut illegal

EDITORIAL

Psycholytische Therapie: Absolut illegal

Gieseke, Sunna

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LNSLNS Mehrere Menschen starben im September, nachdem sie sich auf eine sogenannte psycholytische Therapie eingelassen hatten. Diese ist in Deutschland nicht zugelassen – mehr noch: Eine solche Behandlung ist kriminell und hat nichts mit einer Psychotherapie zu tun.

Diese Form einer vorgeblichen Behandlung ist bereits seit den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts verboten. Es handelt sich um eine wissenschaftlich keinesfalls anerkannte Methode, welche Substanzen wie LSD einsetzt. Auf diese Weise sollen bisher vermeintlich verschlossene geistig-seelische Phänomene und Prozesse zugänglich und für ein therapeutisches Ziel nutzbar gemacht werden. Die Arbeiten des deutschen Psychiaters und Psychoanalytikers Hanscarl Leuner trugen wesentlich zur Entwicklung dieser fragwürdigen Methode bei.

Mehrere psychotherapeutische Verbände und Kammern reagierten – bei allem Mitgefühl für die Hinterbliebenen – empört auf diesen Vorfall und die Berichterstattung in den Medien. „Psychotherapie ist ein seriöses, in vielen wissenschaftlichen Studien untersuchtes Verfahren zur Behandlung von psychischen Krankheiten“, heißt es zum Beispiel seitens der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung. Schlimm genug, dass man die Öffentlichkeit immer noch darauf aufmerksam machen muss, dass approbierte Psychotherapeuten im Gesundheitssystem wichtige Arbeit leisten. Erschwerend kommt aber hinzu, dass vielen Berichterstattern weiterhin nicht ganz klar zu sein scheint, was eine Psychotherapie überhaupt ist. Die Verabreichung von Drogen hat jedenfalls nichts mit einer seriösen Psychotherapie zu tun. Mehrere Verbände forderten daher die Medien auf, sorgsamer mit den Begrifflichkeiten umzugehen – nicht zuletzt auch zum Schutz der Patienten. In einer Psychotherapie geht es darum, Beziehungsarbeit zu leisten. Das eigene Erleben soll reflektiert werden. Durch eine unsachgemäße Berichterstattung wird dem Leser jedoch ein falsches Bild vermittelt. Völlig abwegig sei es, in diesem Fall von einer „Psychotherapie-Gruppe“ zu sprechen, betont auch der Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP). „Die wissenschaftliche Psychotherapie, wie sie von den deutschen Krankenkassen erstattet wird, hat mit all dem rein gar nichts zu tun“, erklärt Laszlo Pota, Vizepräsident des BDP. Nichts rechtfertige es, diese obskure und gefährliche „Behandlung“ mit dem klar definierten Begriff Psychotherapie in Zusammenhang zu bringen. Tatsächlich handle es sich um ein experimentelles und höchst gefährliches Vorgehen bei völlig unklarem Nutzen. Psychoaktive Substanzen könnten lediglich dabei helfen, sich die Welt schöner zu malen – aber nicht dabei, ein einziges Problem zu lösen. „Auch dann nicht, wenn sie vom Fachmann verordnet werden“, sagt Pota.

Letztlich war der Täter ein schwarzes Schaf unter vielen sehr seriös arbeitenden Psychotherapeuten, doch auch deren Ruf könnte dadurch Schaden nehmen: „Die Tat ist unfassbar und schädigt den gesamten Berufsstand der zugelassenen und seriös praktizierenden ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten sowie den der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten“, betont Michael Krenz, Präsident der Psychotherapeutenkammer Berlin.
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Avatar #688775
rot.herne
am Dienstag, 26. August 2014, 19:44

In keinster Weise !!!!

Psychoaktive Substanzen könnten lediglich dabei helfen, sich die Welt schöner zu malen – aber nicht dabei, ein einziges Problem zu lösen. „Auch dann nicht, wenn sie vom Fachmann verordnet werden“, sagt Pota

Dieser Satz kann nur von jemanden kommen der noch nie erfahrungen mit Psychothropen Substanzen dieser Art hatte. Ich muss sie korregieren und sagen dass es viel mehr ist als nur ein schön malen. Das Abtauchen in tiefere psychiasche unterbewusste Vorgänge ist keine schönmalerei. Oft sogar ein schmerzhaftes aber heilsames Unterfangen. Ich litt selber unter Depressionen und weis wie hilfreich psychothtope Substanzen wie LSD sein können. Die Psychoanalyse in allen Ehren (Mit der auch ich Erfahrungen habe) Aber es gibt oft Innere Psychische Grenzen die auch nach Jahrelanger Psychoanalyse nicht eingerissen werden können.
Ich werfe niemanden vor so einen Denkansatz der Psycholytischen Therapie und Halluzinogenen Drogen entgegenzubringen, wenn er selbst nie so eine Erfahrung machen konnte. Es ist etwas was man nur versteht wenn man selbst diesen Weg gegangen ist. Die Studien die zuletzt in der Schweiz mit LSD und MDMA durch geführt wurden und ein durchweg positives Ergebnis hatten, sind hier leider an keiner Stelle angeführt. Mich macht es immer sehr traurig wenn ich sowas lese weil ich weis wie vielen Menschen denn es wirklich schlecht geht geholfen werden könnte. Menschen mit einer Posttraumatischen Belastungsstöhrung. Menschen mit Depressionen und Neurosen bei denen die wirklich guten und oft Hilfreichen Therapieverfahren leider keinen Erfolg hatten würden mehr als profietieren.
ich bitte die Autoren sich vielleicht etwas mehr mit der ganzen Thematik auseinander zu setzten. Ich verweise auch auf den Süd und Mittelamerikanischen Kontinent auf dem Ayahuasca und Peyote zur Kultur gehören. Und selbst unsere Kultur hat einen Hintergrund der sich auf diese Thematik bezieht. Das Thema welches hier angeschnitten wird verdeutlich den Stand unserer Gesellschaft. Dass Dinge die die Seele betreffen und den Menschen zum Menschen machen vergessen werden und unserer Gesellschaft fehlt es an etwasund sie wissen noch nicht mal was. Das Herz, der Tiefgang und wirkliche Erfahrungen.

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