ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinSUPPLEMENT: Reisemagazin 2/2009Lakkadiven: Stecknadelköpfe im Indischen Ozean

SUPPLEMENT: Reisemagazin

Lakkadiven: Stecknadelköpfe im Indischen Ozean

Sobik, Helge

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Auf Bangaram zerfließt die Zeit, der Alltag hat dort keinen Platz.

Vor ein paar Wochen war Richard Gere hier. Er kam, um dem Mond beim Aufgehen und den Sternen beim Leuchten zuzusehen. Er spielte Robinson in Hütten, deren Wände aus geflochtenen Palmenmatten bestehen und deren Fenster aus nichts als Mückengitter sind: ohne Gage, ohne Regisseur, sogar ohne Kamera, nur für sich – und für die Frau, mit der er reiste. War sie schön? „Of course“, erinnern sich die Einheimischen. „Natürlich war sie schön – ganz besonders sogar!“ Ihren Namen weiß keiner mehr. Aber sympathisch seien beide gewesen, völlig unkompliziert, sehr relaxt. Vielleicht liegt es auch daran, dass hier jeder entspannt ist: weil es kaum ein anderes Geräusch als das Meeresrauschen gibt, nur manchmal das des Außenborders eines Dhoni, eines dieser breiten motorisierten Kanus. Es gibt keine Autos, keine Beschallung mit Durchsagen oder Musik vom Band, keine Ter - mine, niemand hupt, keiner hetzt. Und Regeln setzt nur die Natur. In der Abenddämmerung zündet jedes Mal ein Schatten im weißen Gewand ein paar Kerzen in den Windlichtern am Weg an.

Gut 1 500 Meter misst diese Insel an ihrer längsten Stelle, gut 500 Meter an der breitesten. Etwa eine Stunde dauert es, sie bei Ebbe am Strand entlang komplett zu umwandern. Dabei in - teressieren solche Fakten nur vorher. Spätestens vom zweiten Tag an ist die Uhr egal, gelten Stunden nichts mehr, gibt es nur noch Aufstehen und Schlafengehen und den Tag dazwischen. Auf Bangaram ist die Zeit stehen geblieben. In der Nachbarschaft ist das nicht anders – auf den 35 anderen Inseln der Lakkadiven gut eineinhalb Flugstunden westlich der südindischen Festlandküste, eineinhalb nördlich der Malediven. „Bei uns ist es ungefähr so wie auf den Malediven vor 30 Jahren“, sagt Radhakrishna Shenoi, der auf Bangaram lebt, „und es wird noch eine ganze Zeit lang so bleiben.“

Der Luxus der Abgeschiedenheit mitten im Indischen Ozean: In gut einer Stunde hat man Bangaram am Strand entlang umrundet. Fotos: Helge Sobik
Der Luxus der Abgeschiedenheit mitten im Indischen Ozean: In gut einer Stunde hat man Bangaram am Strand entlang umrundet. Fotos: Helge Sobik
Wer die besonders geschützte Inselgruppe bereisen will, braucht zusätzlich zum Indien-Visum eine Extra-Einreiseerlaubnis für die Lakkadiven und fliegt auf die Insel Agatti. Von dort geht es per Boot weiter – zwei Stunden bis Bangaram, mindestens doppelt so lange bis Kadmat. Nur neun dieser 36 Eilande sind dauerhaft bewohnt, bislang bloß drei für Ausländer freigegeben: Bangaram, Agatti und Kadmat mit ihren Robinson-Hotels. Dabei stehen längst Investoren bereit, wollen demnächst auch die Inseln Suheli und Thinnakara mit Millionenaufwand erschließen und dort Luxushotels in den Kokoswald zimmern, die Gegenwart ins Inselreich holen.

Noch aber wohnen auf diesen Inseln für ein paar Wochen im Jahr nomadisierende Fischer in einfachen Hütten am Strand. Sie ziehen mit den Tunfischschwärmen weiter. Die Menschen ernähren sich aus dem Meer und von dem, was Palmen und winzige Gärten hergeben, von zerlegten Oktopussen, die an Holzgestellen im Wind trocknen, und wissen oft nicht, welches Jahr gerade läuft.

Die Quartiere auf Bangaram werden seit gut 20 Jahren an Fremde vermietet, die dem Ansturm vorausreisen, der eines nicht mehr fernen Tages folgen wird. Es sind Leute, die ihren Luxus vor allem in der Abgeschiedenheit finden, im warmen Meer mit seinem türkis farbenen Glanz, den Schnorchel- und Tauchgründen der Lagune und der Riffs weiter draußen zwischen den Inseln. Leute, die nicht auf der Suche nach Marmorfußböden und golddurchwirkten Vorhängen sind, nicht nach Designerchic und Zimmerservice Ausschau halten. Es zieht Millionäre aus den boomenden Business-Städten des Subkontinents ebenso hierher wie Leute aus Übersee, von denen manche auf diese Ferien lange sparen mussten und sich ansonsten rein gar nichts aus Geld machen. „Bollywood“-Stars waren hier – zuletzt Lara Dutta, deren Karriere vor neun Jahren als Miss Universe begann und an die sich, of course, ebenfalls alle noch sehr genau erinnern. „Niemand“, sagt Radhakrishna Shenoi, „muss hier Paparazzi fürchten. Entweder wissen sie nichts von unseren Inseln, von diesen Stecknadelköpfen, die aus dem Indischen Ozean ragen. Oder es ist ihnen einfach zu teuer, herzukommen.“ Er lächelt. Helge Sobik

Informationen: Comtour, www.comtour.de; Telefon: 0 20 54/9 54 70
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