SUPPLEMENT: Reisemagazin

Santorin: Alles wegen dieses Sonnenuntergangs

Sobik, Helge

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LNSLNS Keine steht so sehr für Romantik, wird von so vielen Verliebten bereist, von frisch Verheirateten gebucht – und keine Kykladen-Insel ist tatsächlich so schön.

Foto: iStockphoto
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Sie passen auf den ersten Blick nicht mehr ganz in die Zeit. Trotzdem gibt es noch etwa 250 davon auf dieser Insel. Ihre Besitzer verdienen gut an ihnen, vermieten sie für bis zu 50 Euro pro Tag. Und das nicht an die vielen Fremden, sondern an Einheimische: An die, die an schwierigster Stelle bauen wollen, wo mit Lastwagen, mit Kränen nichts zu wollen ist. Die Maulesel sind es, die Santorins gewagte Bauvorhaben möglich machen – Hotels am Abhang, Restaurantterrassen über dem Abgrund in Oia, in Firostefani und Imerovigli mit bestem Blick aus bis zu 300 Metern Höhe herab auf den gewaltigen wassergefüllten Krater, auf die vorgelagerten Inseln Thirassia, Nea und Palea Kameni. Und auf den Sonnenuntergang! Denn vor allem deswegen kommen die Fremden aus aller Welt hierher: Wegen jenes Romantik-Set-ups, das kein Hollywood-Filmemacher schöner inszenieren könnte.

Santorin, eine halbe Flugstunde von Athen entfernt und erst durch einen gewaltigen Vulkanausbruch vor rund 3 600 Jahren in seine heutige Form gepresst, ist die Kykladen-Insel der Honeymooner, Urlaubsziel vor allem von Träumern, Romantikern, von Verliebten: weil hier die Kulisse stimmt. Weil sich schneeweiße Quaderhäuser und hellblaue Kuppeln an den Kraterrand des eingestürzten und längst mit Ägäiswasser gefüllten Vulkans von einst klammern. Tief unten zerschneiden derweil Kreuzfahrtschiffe und stattliche Privatjachten die spiegelglatte See. Und abends ist es die Sonne, die im Tiefflug an Thirassia vorbeizieht und als glutroter Feuerball kitschig-schön an der Westspitze vor Oia im Meer versinkt.

Im Hochsommer sind es viele, die auf der Steilküsten - seite der Insel diesen Zauber suchen. Sie stehen sich beim Träumen gegenseitig im Weg. In der Nebensaison ab September und bis Mitte Juni ist das anders. Da entfaltet diese Insel ihr Flair, und am stillsten und stimmungsvollsten ist es ab Mitte Oktober, wenn statt der Charterjets nur noch Linienmaschinen einschweben und nach Saisonende nur noch ein paar Hotels geöffnet bleiben.

Kein Fall für Touristen: 250 Maulesel tragen mit dazu bei, dass Santorins gewagte Bauvorhaben gelingen. Foto: VISUM
Kein Fall für Touristen: 250 Maulesel tragen mit dazu bei, dass Santorins gewagte Bauvorhaben gelingen. Foto: VISUM
Diejenigen, die all die Träume als Hotelier oder Gastwirt mit - inszenieren, als Fremdenführer daran teilhaben, als Winzer für den Geschmack Santorins sorgen, können endlich selbst durch - atmen, haben wieder Zeit für einen Plausch – und erzählen, was sie an ihrer Insel so lieben. Joy Kerluke zum Beispiel stammt aus Vancouver, ist seit 20 Jahren hier, kam natürlich der Romantik und blieb der Liebe wegen. Sie verguckte sich in den Fischer Dimitri und machte kurzerhand eine Taverne mit ihm auf. Abseits vom ganz großen Rummel direkt an der Kaimauer des alten Fischerhafens Ammoudi: das letzte Haus, bevor die Felsen beginnen. Das Mittelmeer schwappt nur fußbreit von den Tischbeinen entfernt. Es duftet nach gegrilltem Hummer, nach Barrakuda mit frischen Kräutern, nach Dorade mit Dill und Zitrone. Und auf den Lippen liegt ein Hauch von Meersalz.

Die Kulisse stimmt: Im Westen der Insel klammert sich Oia mit seinen Kuppeln und Würfelhaus-Dächern an die Steilküste. Foto: Helge Sobik
Die Kulisse stimmt: Im Westen der Insel klammert sich Oia mit seinen Kuppeln und Würfelhaus-Dächern an die Steilküste. Foto: Helge Sobik
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Wenn sie die Stille von vor 20 Jahren wiederhaben will, steht Joy morgens früh auf, läuft den schmalen Pfad am Felsrand, der neben ihrer Taverne beginnt, bis zum Ende – und badet ganz allein im Mittelmeer: „Du siehst von dort aus niemanden, hörst nur die Wellen gegen den Stein schlagen, kannst bis zum Grund schauen. Der Sonnenuntergang auf Santorin ist spektakulär – aber ich liebe vor allem ihren Aufgang, das Licht am Morgen.“

Paris Sigalas unterdessen ist die Tageszeit egal – Hauptsache, er ist in der Nähe seiner Reben. Sein Lieblingsplatz ist unmittelbar vor der kleinen Kirche von Kira Panagia auf einer Anhöhe ein paar Kilometer außerhalb von Oia – weil er Gott nah sein kann. Und weil er von dort aus sein Weingut überschauen kann. 300 000 Flaschen, vor allem kräftig-harzigen Asirtiko-Athiri und süße Dessertweine, produziert der Winzer jedes Jahr. Zu seinen Kunden gehören inzwischen sogar Spitzenkoch Alain Ducasse – und Hotelier Kostis Psychas, dessen traditionelles Höhlenhotel am Ortsrand von Oia keine drei Kilometer entfernt ist. Psychas hat seinem Koch vorgeschlagen, Rinderfilet in einer Soße aus Sigalas’ süßem Vinsanto-Wein anzurichten. In den Genuss dieser kulinarischen Kreation kommen ausschließlich die maximal 40 Gäste von Psychas’ Hotel „Perivolas Traditional Houses“, denn sein Restaurant ist den eigenen Gästen vorbehalten. Und so schön das Setting unterm Sternenhimmel dort ist, mit Blick über den Pool auf den Krater, mit Kerzen und lauem Lüftchen – trotzdem sind dort allabendlich nur wenige Tische besetzt. Weil die meisten Urlauber lieber auf den privaten Terrassen vorm Zimmereingang speisen – und einen noch besseren Blick haben: erst auf den Sonnenuntergang über den Kuppeln und Würfelhaus- Dächern von Oia, dann auf die hell erleuchteten Kreuzfahrtschiffe unten in der sichelförmigen Bucht. Das Hotel ist Honeymooner- Resort, und zu den Stammgästen zählt ausgerechnet der Dorfpriester – weil er immer wieder Hochzeiten auf der Terrasse neben dem Pool zelebrieren muss. Manche durchaus spontan.

Gewohnt wird bei Kostis Psychas wie vor Hunderten von Jahren: in Höhlen, die in den Fels der Kraterwand gegraben sind. Anfang der 80er-Jahre begann er, einstige Vorratskammern im Fels ebenso wie die halb zerfallenen Quartiere mittelloser Fischer zu restaurieren und nach und nach mit vielen Ideen, mit weißer Farbe und himbeerfarbenen Kissenbezügen in eine Oase der Stille nur ein paar Schritte abseits vom größten Ferienrummel zu verwandeln. Wo er seine Romantik findet? „Unten auf dem Wasser des Kraters“, sagt er, „mit meiner Tochter auf unserem Boot. Und drüben, keine fünf Fahrtminuten entfernt, auf der vorgelagerten Insel Thirassia, wo sich der Blick umkehrt: auf Santorin, auf die Steilküste mit den schneeweißen Häusern. Und, als ganz kleine Punkte, auf all die Romantiker auf ihren Balkonen und Terrassen.“ Helge Sobik

Informationen
Eine Übersicht auch außerhalb der Saison geöffneter Hotels ist erhältlich bei der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr, Neue Mainzer Straße 22, 60311 Frankfurt/M., Telefon: 0 69/25 78 27-0, Fax: 25 78 27-29, Internet: www.gnto.gr.

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