SUPPLEMENT: Reisemagazin

Yorkshire Dales: Auf seltsame Weise anheimelnd

Buhr, Uta

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LNSLNS Eine Burgen- und Schlössertour im Nordosten Englands – dramatische Landschaft inklusive

Üppiges Grün wechselt sich ab mit weiten Heideflächen und Mooren, nur eine schmale Straße durchzieht das Swaledale. Foto: mauritius images
Üppiges Grün wechselt sich ab mit weiten Heideflächen und Mooren, nur eine schmale Straße durchzieht das Swaledale. Foto: mauritius images
Gwen aus Liverpool gerät stets ins Schwärmen, wenn sie von den Yorkshire Dales spricht. Eine faszinierende Landschaft – fahrt doch mal hin! In der Tat gehören die „Dales“, die üppig grünen Täler mit ihren bizarren Kalksteinformationen und Tropfsteinhöhlen zum Schönsten, was England zu bieten hat. „Diese heroische Landschaft“, erklärt Reiseführer Alan, „stammt aus der letzten Eiszeit. Sie hinterließ eine Region von sagenhafter Vielfalt.“

Große landwirtschaftlich genutzte Flächen gehen nahtlos über in Mischwälder. Dazwischen liegen riesige Heideflächen und Moore. Ein bleigrauer Himmel spannt sich über dem Landstrich. Nur hin und wieder stiehlt sich ein Sonnenstrahl durch die Wolkendecke. Eine Stimmung wie in einem Roman der Emily Brontë – unheimlich und auf seltsame Weise anheimelnd zugleich. Weit und breit keine Menschenseele. Nur friedlich grasende Schafe. Gelegentlich dringt das Murmeln eines Baches, das Plätschern eines Wasserfalls an das Ohr.

Alan will uns auf keinen Fall eine der größten Sehenswürdigkeiten Yorkshires vorenthalten. Ein kleiner Schlenker, und schon stehen wir vor Fountains Abbey. Die mächtige Klosteranlage – heute eine Ruine von nahezu dramatischer Schönheit – stammt aus dem frühen 12. Jahrhundert und wurde mitten in das fruchtbare Flusstal des Skell hineingebaut. Der Dunst auf den Wiesen und der leise fallende Regen erhöhen den Reiz dieses mystischen Ortes.

Einen äußerst reizvollen Kontrast zu den Dales bildet die aristokratische Kurstadt Harrogate mit ihren weitläufigen Parkanlagen. Ein zeitlos schönes, von einem Säulenportikus flankiertes Haus aus georgianischer Zeit reiht sich an das nächste. Eine Heilquelle machte Harrogate zu einem von der feinen Gesellschaft viel besuchten Bad. Inzwischen wurde der Kurbetrieb eingestellt. Überlebt hat lediglich ein türkisches Bad aus dem 19. Jahrhundert, in dem sich auch Touristen nach einem ausgedehnten Stadtrundgang gern entspannen. Übrigens – Agatha Christie, einer der prominentesten Gäste Harrogates, verschwand hier einst für mehrere Wochen. Man befürchtete ein Verbrechen. Doch gottlob tauchte die „Lady of Crime“ völlig unversehrt wieder auf. Diese und andere Geschichten rund um die Stadt präsentiert das „Royal Pump Room Museum“.

Mitten in den Dales erhebt sich Ripley Castle, ein steinernes Monument mit Zinnen und Erkern. Und nur einen Steinwurf entfernt liegen Bolton Castle und Skipton Castle. Letzteres gilt als eine der besterhaltenen Festungen auf der Insel. Der Rundgang durch zugige Flure und geheimnisvolle Gänge endet in einem Verlies. Nicht minder düster ist Middleham Castle. Hier soll sich Richard III., Shakespeares Finsterling aus dem gleichnamigen Königsdrama, besonders gern aufgehalten haben, um Intrigen und Mordpläne auszuhecken. Den Höhepunkt einer Schlösserund Burgentour durch Yorkshire aber bildet Howard’s Castle. Der monumentale Barockbau mit großer Kuppel und reich verzierten Säulen wurde Ende des 17. Jahrhunderts auf Geheiß des 3. Earl of Carlisle errichtet. Dem Schloss, das von der alten Adelsfamilie Howard auch heute noch genutzt wird, haftet nichts Museales an. Besucher sind eingeladen, die mit kostbaren Möbeln und Gemälden ausgestatteten Prunksäle nach Herzenslust zu besichtigen.

Die Route führt weiter über Scarborough, Whitby und Filey nach Leeds. In Whitby, einem Fischerstädtchen wie aus dem Bilderbuch, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Mittel - alterliche Häuser säumen die holperigen Straßen. Im altmodischbehaglichen „Mackpie“ wird nach Aussagen von Kennern das britische Nationalgericht „Fish & Chips“ – Schellfisch mit goldbraunen Pommes frites – in höchster Vollendung serviert. Szenenwechsel. Das quirlige Leeds liegt vor uns. Die Stadt ist nicht nur Shoppingparadies, sondern auch kulturelles Zentrum der Region. Die eleganten viktorianischen Fassaden und Einkaufspassagen locken Besucher aus allen Teilen der Welt an. Und viktorianisch geht es auch weiter. Denn das weitaus Originellste ist der Rundgang mit Roger und Mary durch die ehemalige Arbeitersiedlung Saltaire. Das im viktorianischen Stil erbaute Viertel wurde im 19. Jahrhundert von dem reichen Textilfabrikanten Titus Salt erbaut. Seit einiger Zeit gehört es zum UNESCOWeltkulturerbe. Hier feiert die Theaterbegeisterung der Briten fröhliche Urständ. Touristen, die Spaß an Rollenspielen haben, übernehmen einen Part aus der Vergangenheit Saltaires – ob Aufseher in der Textilfabrik, Dienstmagd oder „Shopkeeper“ in der Siedlung. Roger gibt den Pfarrer der Gemeinde, Mary die resolute, etwas aufmüpfige Mrs. Dudley. Beide treten in historischen Kostümen auf und erzählen Wissenswertes und Anekdoten. Eine ebenso amüsante wie lehrreiche Geschichtsstunde für alle Beteiligten.

In diesem Open-Air-Theater bleibt kein Auge trocken, wenn Mrs. Dudley über die Missstände in den verschiedenen Häusern berichtet und Pfarrer Roger sie darauf hinweist, dass es ihre Christenpflicht sei, nicht so streng über die Schäfchen seiner Gemeinde zu richten. „My dear, better mind your own business“, gibt er ihr mit auf den Weg und tippt an seinen Zylinder. Uns entrichtet der „Geistliche“ ein „Good morning in Christ“ und bittet uns, in der Kirche doch für die armen Nachbarn zu spenden. Ein paar Shilling oder gar ein Pfund ist diese amüsante Reise in die Vergangenheit allemal wert. Uta Buhr

Informationen: Im Internet unter www.yorkshire.com
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