ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinSUPPLEMENT: Reisemagazin 2/2009Ostfriesische Inseln: Sieben schöne Schwestern

SUPPLEMENT: Reisemagazin

Ostfriesische Inseln: Sieben schöne Schwestern

Buhr, Uta

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LNSLNS Die Landschaft ist friesisch-herb, das Klima gesund und der Humor der Insulaner trocken.

Foto: Michael Pasdzior
Foto: Michael Pasdzior
Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog, Baltrum, Norderney, Juist und Borkum – mit seit Jahren stabilen acht Millionen Übernachtungen gehören die sieben schönen Schwestern im niedersächsischen Wattenmeer zu den beliebtesten Ferienregionen Deutschlands. Die Gäste schätzen das gesunde Reizklima ebenso wie den friesisch-herben Landschaftscharakter und den trockenen Humor der Insulaner. Wurde der Kurgedanke auch 1783 auf Juist geboren, so machte Norderney doch das Rennen als zweites deutsches Seebad nach Heiligendamm bei Rostock. Heute das Baden-Baden unter den Schwestern mit Spielbank und Kurorchester, war die Insel früher Treffpunkt illustrer Gäste wie Otto von Bismarck, Theodor Fontane und Heinrich Heine.

Was für die Altvorderen noch eine beschwerliche Überfahrt war, gerät heute zu einer lustigen Seefahrt. Komfortabel ausgestattete Fähren pendeln im regelmäßigen Dienst vom Festland in Norddeich nach Norderney und Juist. Im Gegensatz zu den Norderneyern dulden die Juister auf ihrer Insel mit dem atemberaubenden 17 Kilometer langen Sandstrand keine Autos. Bei der Ankunft auf der Mole oder dem kleinen Flugplatz warten Zwei- PS-starke Planwagen und bringen die Gäste zu ihren Quartieren. Die gehören mit zum Feinsten. So wie es sich gehört in „Töwerland“ – Zauberland –, wie die Bewohner ihre Insel nennen.

Baltrum heißt im Volksmund auch „bald rum“, weil das Eiland gerade einmal 6,4 Quadratkilometer misst und bequem in weniger als einer Stunde umrundet werden kann. Aus diesem Grund gibt es hier nicht einmal einen Fahrradverleih. Dafür aber jede Menge Bollerwagen, in denen Kind, Kegel und Einkäufe transportiert werden. Seehunde tummeln sich auf den Sandbänken. Sie sind ganz zutraulich und schwimmen gern mit den Kindern um die Wette.

Einen besonderen Charme hat das von einem silbrigen Sandstrand umrandete Langeoog. Durch dichtes Buschwerk schlängelt sich das Gleis der Inselbahn. Nachdem der Fürst von Schaumburg-Lippe im 19. Jahrhundert hier mit großem Genuss gekurt hatte, war die Insel bald in aller Munde. Heute brütet und lebt hier die größte Silbermöwenkolonie Deutschlands.

Spiekeroog, das „Dornröschen“ unter den Schwestern, ist dicht bewaldet und Heimat eines knorrigen Feigenbaumes, der jedes Jahr süße Früchte trägt. Wie er sich in dieses raue Klima verirren konnte, bleibt bis heute sein Geheimnis. Eine weitere Besonderheit ist die 1864 gebaute Pferdebahn, die immer noch, von einer kräftigen Stute gezogen, den 1,3 Kilometer langen Schienenweg zwischen Altem Bahnhof und Weststrand bedient. Auch diese Insel ist so klein, dass sie keine Drahtesel verträgt. Schilder weisen auf das Tabu hin: „Vernünftige Leute fahren hier nicht Rad. Allen anderen ist es verboten.“

Wangerooge blickt auf die wechselvollste Geschichte aller sieben Inseln zurück. Ende des 18. Jahrhunderts noch in russischer Hand, ging sie in den Besitz der Niederlande über, bis wenig später die Franzosen die Herrschaft übernahmen. 1815 wurde sie dem Königreich Hannover zugeschlagen. Auf Wangerooge, das an einer viel genutzten Fahrrinne liegt, spürt der Urlauber den Hauch der großen weiten Welt. Während er im Strandkorb vor sich hindöst, ziehen am Horizont Frachter, Tanker und Kreuzfahrtschiffe vorbei.

Borkum, die westlichste und größte Insel, präsentiert sich aus der Vogelperspektive wie eine Sandbank mit riesigen grünen Flecken und roten Spielzeughäusern. Schon die Römer schauten Mitte des 1. Jahrhunderts auf „Burcana“ vorbei, bevor sie zur Eroberung Britanniens ansetzten. Laut Plinius d. J. fanden sie „ein beklagenswert armes Volk“ vor. „Arm ja, aber auch sehr stolz“, sagen die Borkumer. Denn versklaven ließen sich ihre Vorfahren nicht. „Und wenn die ollen Römer heute unsere schmucke Insel mit den behaglichen Hotels und Teestuben sehen könnten, kämen sie aus dem Staunen nicht heraus!“ Uta Buhr

Informationen: www.die-nordsee.de
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