Supplement: Reisemagazin

Katalonien: Mit Leib und Seele

Dtsch Arztebl 2009; 106(42): [30]

Hibbeler, Birgit

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Fotos: Birgit Hibbeler
Fotos: Birgit Hibbeler
Ein Klosterleben auf Zeit ist etwas für Menschen, die Erholung und Frieden suchen.

Es ist nur ein kurzer Gedanke, den man sofort wieder verwirft. Denn es ist ja Unfug. Nein, das Kloster Montserrat steht nicht auf einer riesigen Ingwerwurzel oder einer seltsam geformten Rübe. Es sieht nur so aus. In Wahrheit schmiegt sich das Gebäude an die steilen Hänge des gleichnamigen Sandsteingebirges.

Montserrat – der gesägte Berg – erhebt sich fingerförmig aus dem Hinterland der katalanischen Hauptstadt Barcelona. Doch nicht nur die Gesteinsformation ist skurril, sondern auch die Geschichten, die sich um das Kloster ranken. So vermutete Heinrich Himmler hier angeblich den heiligen Gral, als er 1940 nach Barcelona reiste und das Benediktinerkloster besuchte. Die schwarze Madonna und der Knabenchor von Montserrat sind weit über die Grenzen der Region bekannt. Für viele Katalanen ist das Kloster ein wichtiger Ort ihrer kulturellen Identität, Montserrat ein weitverbreiteter Frauenname. Montserrat ist nicht gerade ein Geheimtipp. Rund zwei Millionen Pilger und Touristen kommen jedes Jahr hierher. Von Barcelona aus ist das Kloster gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Das letzte Stück auf den Berg hinauf übernimmt die Zahnradbahn, die im Ort Monistrol startet. Wer es etwas ruhiger mag, der wird Mont - serrat gegen Abend lieben. Wenn die meisten Tagestouristen wieder im Tal sind, kann man dem Chorgesang beim Vespergottesdienst lauschen. Für die Übernachtung gibt es mehrere Möglichkeiten. Dazu zählen ein Hotel und ein Gästehaus. Auch das Kloster selbst bietet Unterkünfte. Bis zu drei Monate können Besucher hier gemeinsam mit den Mönchen leben – allerdings ausschließlich Männer.

Klöster als Herbergen für Reisende liegen durchaus im Trend. Das Nonnenkloster Vallbona de les Monges in der Nähe von Tàrrega bietet ebenfalls Fremdenzimmer an – auch für Frauen und Familien. „Meist kommen Studenten hierher, die in lernen wollen, oder Menschen, die Erholung und Frieden suchen“, erklärt Schwester Maria Frederica, eine kleine, zierliche Ordensfrau mit vornübergebeugten Schultern und gekrümmtem Rücken. 79 Jahre ist sie alt, seit 54 Jahren lebt sie hier. Telefon und Fernseher gebe es auf den Zimmern nicht, berichtet sie. Die Gäste sollen hier zur Ruhe kommen. Kaum hat sie diesen Satz jedoch beendet, klingelt ein Handy in der lilafarbenen Häkeltasche, die sie in der Hand hält. Maria Frederica lächelt verschmitzt.

Die Zeiten ändern sich. Lebten im 14. Jahrhundert rund 70 Nonnen in Vallbona – meist Töchter des katalanischen Adels –, sind es heute gerade einmal zehn. So sind die mittlerweile 18 Fremdenzimmer eine willkommene Einnahmequelle, um die Zukunft des Zisterzienserklosters zu sichern. Denn immer weniger junge Frauen fühlen sich für das Ordensleben berufen. „Gott ruft, aber es gibt viel Lärm auf der Welt“, sagt Carlos, der Touristen durch das Kloster führt. Für Besucher habe Vallbona viel zu bieten, nicht nur Stille. Es gebe vielfältige Freizeitmöglichkeiten – beispielsweise Wandern.

Vallbona ist eines von drei Klöstern der „Zisterzienserroute“. Das bedeutendste von ihnen ist das Kloster Poblet in der Nähe von Montblanc, zu dem man, wie auch nach Vallbona, am einfachsten mit dem Mietwagen gelangt. Die Anlage aus dem 12. Jahrhundert wurde 1991 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Bis heute lebt eine Gemeinschaft von rund 30 Mönchen hier. Die Besucher können in der Anlage unter anderem die Gräber der katalanischen Könige besichtigen. Es gibt regelmäßig Führungen auf Englisch. Zum Abschluss des Besuches lohnt sich eine Weinprobe im klostereigenen Weinkeller. Auch Genuss entspannt.

Entspannen bei „Slow Food“: Salvador verwöhnt seine Gäste im Hotel und Restaurant „La Coromina“.
Entspannen bei „Slow Food“: Salvador verwöhnt seine Gäste im Hotel und Restaurant „La Coromina“.
Dazu passt auch das Motto „Slow Food“ von Salvador. Rund 50 Autominuten von Barcelona entfernt betreibt der Koch ein kleines Restaurant und ein liebevoll eingerichtetes Hotel mit neun Zimmern. „La Coromina“ liegt auf rund 800 Metern Höhe im Grünen und hat einen wunderschönen Garten. Auch Vegetarier kommen hier auf ihre Kosten. Salvador legt zudem Wert auf Qualität und biologisch angebaute Zutaten. Angeboten werden aber unter anderem auch Klang- und Schwingungsmassagen. Der Grundsatz des Hauses: „El Placer de donar placer“. Und egal, ob man „placer“ nun mit Freude oder Genuss übersetzen möchte – beides trifft zu. Birgit Hibbeler

Informationen: www.montserratvisita.com, www.larutadelcister.info, www.xaletcoromina.com, www.catalunyaturisme.com
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