ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2009Der alte Patient in der Herzchirurgie: Geriatrische Perspektive
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LNSLNS Wir möchten den Kollegen zunächst zu Ihrem Artikel herzlich gratulieren. Sie zeigen anhand der BQS-Daten in überzeugender Weise die deutliche Abnahme der Mortalität älterer Patienten nach Bypass-Operationen. Sie weisen außerdem zu Recht darauf hin, dass die heute üblichen operativen Risikoscores wie der EuroSCORE die postoperative Mortalität deutlich überschätzen und nur eingeschränkten Nutzen in der Risiko-Abschätzung haben. Die Autoren schlagen daher die Verwendung eines neuen Risikoscores auf der Basis der BQS-Daten vor.

Wir sind der Meinung, dass ein solcher Score für die Einschätzung des operativen Risikos älterer Patienten ebenfalls zu kurz greifen könnte. Mehrere Untersuchungen haben gezeigt, dass funktionelle Parameter, die im geriatrischen Assessment erhoben werden, einen erheblichen Einfluss auf die hospitale Mortalität und Morbidität älterer Patienten haben. Zu diesen Faktoren gehören Abhängigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens, Kognition, Mobilität, Sarkopenie und depressive Symptomatik (1, 2). Wie auch im Artikel von Silber und Kollegen erwähnt, erscheint die Berücksichtigung dieser Faktoren bei der Beurteilung des operativen Risikos älterer Patienten ausgesprochen sinnvoll. Unsere Arbeitsgruppe konnte im Juni dieses Jahres eine Kohortenstudie zur Evaluation der prospektiven Aussagekraft dieser Parameter abschließen und bereits erste Ergebnisse auf dem Kongress des American College of Cardiology vorstellen (3). Sarkopenie (mit der Handkraft als Marker), eingeschränkte Kognition und Beeinträchtigungen in Alltagsaktivitäten waren mit einer 2–3-fach höheren Mortalität assoziiert im Vergleich zu Patienten ohne diese funktionellen Einschränkungen. Wir möchten daher auf diesem Wege alle Kollegen ermutigen, diese Faktoren in Ihre Arbeit mit einzubeziehen, um der besonderen Risikokonstellation älterer und hochaltriger Patienten möglichst gut Rechnung zu tragen.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0693b


PD Dr. med. Friedrich-Christian Rieß
Herzzentrum, Albertinen-Krankenhaus, Hamburg

Prof Dr. med. Wolfgang von-Renteln Kruse
Medizinisches Zentrum, Albertinen-Krankenhaus, Hamburg

Dr. med. Birgit Frilling
Zentrum für Geriatrie und Gerontologie
an der Universität Hamburg
Albertinen-Haus
Selhopsweg 8–22
22459 Hamburg
1.
Fried LP, Tangen CM, Walston, et al.: Frailty in older adults: evidence for a phenotype. J Gerontol A Biol Sci Med Sci 2001; 56A; M146–56. MEDLINE
2.
Inouye S, Peduzzi P, Robison, et al.: Importance of functional measures in predicting mortality among older hospitalized patients. JAMA 1998; 279: 1187–93. MEDLINE
3.
Frilling B, von Renteln-Kruse W, Riess FC: Prognostic value of geriatric assessment prior to cardiac surgery of the elderly. JACC 2009; 53: A403–18.
4.
Friedrich I, Simm A, Kötting J, Thölen F, Fischer B, Silber RE: Cardiac surgery in the elderly patient [Der alte Patient in der Herzchirurgie]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(25): 416–22. VOLLTEXT
1. Fried LP, Tangen CM, Walston, et al.: Frailty in older adults: evidence for a phenotype. J Gerontol A Biol Sci Med Sci 2001; 56A; M146–56. MEDLINE
2. Inouye S, Peduzzi P, Robison, et al.: Importance of functional measures in predicting mortality among older hospitalized patients. JAMA 1998; 279: 1187–93. MEDLINE
3. Frilling B, von Renteln-Kruse W, Riess FC: Prognostic value of geriatric assessment prior to cardiac surgery of the elderly. JACC 2009; 53: A403–18.
4. Friedrich I, Simm A, Kötting J, Thölen F, Fischer B, Silber RE: Cardiac surgery in the elderly patient [Der alte Patient in der Herzchirurgie]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(25): 416–22. VOLLTEXT

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