ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2009Diagnostik und Therapie des primären Hyperaldosteronismus / Ergebnisse des deutschen Conn-Registers - 555 Patienten mit primärem Hyperaldosteronismus: Schlusswort
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Der Leserbrief von Dr. Jürgen Sindermann gibt uns Gelegenheit, auf die Prävalenz des Conn-Syndroms ausführlicher einzugehen. Die Detektionsrate des primären Hyperaldosteronismus hängt von zwei Faktoren ab: Zum einen von der biochemischen Screeningstrategie und zum anderen von der Prätestwahrscheinlichkeit in der jeweiligen untersuchten Kohorte. Untersucht man in einer Praxis-Hypertoniekohorte nur hypokaliäme Hypertoniker auf ein Conn-Syndrom, liegt die Detektionsrate bezogen auf alle Hypertoniker bei unter 1 %, in spezialisierten Hypertonie-Ambulanzen bei 1 bis 4 %. Werden dagegen alle Hypertoniker unabhängig vom Hypokaliämiestatus mittels Aldosteron-Renin-Quotient gescreent, liegt die Detektionsrate bei 4 bis 13 %. Es zeigt sich außerdem ein Anstieg der Conn-Häufigkeit mit dem Schweregrad der Hypertonie. Patienten mit Grad 1 Hypertonie nach WHO haben eine Häufigkeit von 2 %, Patienten mit Grad 3 von 13 % (1). Die höchste Detektionsrate findet sich bei therapieresistenter Hypertonie mit 11 bis 30 % (2). Populationsbasierende Studien liegen bisher nur in begrenztem Umfang vor. In der Framingham Offspring-Kohorte fand sich ein erhöhter Aldosteron-Renin-Quotient bei 8 % der unbehandelten hypertensiven Männer. Probanden mit dem höchsten Aldosteron-Renin-Quotienten in dieser Studie hatten ein um 53 % gesteigertes Risiko, im Verlauf eine Hypertonie zu entwickeln. Zusammengefasst lassen diese Zahlen den Schluss zu, dass der primäre Hyperaldosteronismus tatsächlich deutlich häufiger ist, als bisher angenommen wurde. Dass die Fallzahlen des Deutschen Conn-Registers dies nicht widerspiegeln, liegt an der konservativen Screeningstrategie der teilnehmenden Zentren: Mehrheitlich wurden hypokaliämische Patienten untersucht – im Gegensatz zum internationalen Trend, bei dem sich zunehmend normokaliämische Varianten des Hyperaldosteronismus zeigen. Der Studienaufbau des Registers (longitudinale Kohortenstudie) ist grundsätzlich ungeeignet, Prävalenzhäufigkeiten in Deutschland zu errechnen.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0692b


Für die Autoren
Prof. Dr. med. Martin Reincke
Medizinische Klinik – Innenstadt
Klinikum der Universität München
Ziemssenstraße 1
80336 München
E-Mail: martin.reincke@med.uni-muenchen.de

Interessenkonflikt
Die Autoren beider Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Mosso L, Carvajal C, González A, Barraza A, Avila F, Montero J, Huete A, Gederlini A, Fardella CE: Primary aldosteronism and hypertensive disease. Hypertension. 2003 Aug; 42(2): 161–5. Epub 2003 Jun 9.
2.
Schirpenbach C, Reincke M: Epidemiologie und Ursachen der Therapie-resistenten Hypertonie. Internist 2009; 50(1): 7–16.
3.
Schirpenbach C, Segmiller F, Diederich S, et al.: The diagnosis and treatment of primary hyperaldosteronism in Germany—results on 555 patients from the German Conn Registry [Diagnostik und Therapie des primären Hyperaldosteronismus – Ergebnisse des deutschen Conn-Registers: 555 Patienten mit primärem Hyeraldosteronismus]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(18): 305–11.
1. Mosso L, Carvajal C, González A, Barraza A, Avila F, Montero J, Huete A, Gederlini A, Fardella CE: Primary aldosteronism and hypertensive disease. Hypertension. 2003 Aug; 42(2): 161–5. Epub 2003 Jun 9.
2. Schirpenbach C, Reincke M: Epidemiologie und Ursachen der Therapie-resistenten Hypertonie. Internist 2009; 50(1): 7–16.
3. Schirpenbach C, Segmiller F, Diederich S, et al.: The diagnosis and treatment of primary hyperaldosteronism in Germany—results on 555 patients from the German Conn Registry [Diagnostik und Therapie des primären Hyperaldosteronismus – Ergebnisse des deutschen Conn-Registers: 555 Patienten mit primärem Hyeraldosteronismus]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(18): 305–11.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.