ArchivDeutsches Ärzteblatt42/20093 Fragen an . . .Prof. Dr. med. Claudia Wiesemann, Präsidentin der Akademie für Ethik in der Medizin

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3 Fragen an . . .Prof. Dr. med. Claudia Wiesemann, Präsidentin der Akademie für Ethik in der Medizin

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Frau Professor Wiesemann, wie sind Sie auf das Thema „Menschenbilder“ für die diesjährige Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin gekommen?
Wiesemann: Menschenbilder prägen das Handeln der Medizin. Nehmen Sie zum Beispiel die Debatte über den moralischen Status des Embryos. Das Bild vom Menschen, das in diesen Debatten gezeichnet wird, muss immer wieder kritisch hinterfragt werden. Sehen wir den Menschen nur als rationales oder als ein grundsätzlich hilfsbedürftiges Wesen? Auch unsere Auffassungen von Krankheit und Behinderung sind durch normierende Vorstellungen vom „richtigen“ Leben geprägt. Deshalb haben wir diese Tagung in Kooperation mit dem Institut Mensch Ethik Wissenschaft durchgeführt. Die Beispiele zeigen, wie notwendig es ist, Menschenbilder in der Medizinethik zum Thema zu machen.

Was ist die Aufgabe der medizinischen Ethik in Bezug auf Menschenbilder?
Wiesemann: Die Aufgabe der medizinischen Ethik ist es, die Medizin über implizite normierende Vorstellungen vom Menschen, die der Forschung zugrunde liegen, aufzuklären. Ist die „Verbesserung“ des Menschen durch das sogenannte Neuroenhancement tatsächlich erstrebenswert? Worin kann Selbstverbesserung des Menschen sinnvoller Weise bestehen? Auch zu solchen Fragen muss sich die Medizinethik
äußern.

Was versprechen Sie sich von dieser Tagung? Welche Impulse sollten von ihr ausgehen?
Wiesemann: In der Medizinethikdebatte ist oft unkritisch von dem Menschenbild in der Medizin die Rede. Das gibt es natürlich nicht. Es gibt viele Disziplinen und Interessen in der Medizin. Und es werden sicherlich auch unterschiedliche Menschenbilder wirksam. Die Palliativmedizin verfolgt vermutlich ein anderes Menschenbild als die Neurochirurgie. Dessen sollte man sich bewusst sein. Unser Ziel ist es, Ärzte und Pflegende darüber aufzuklären, dass das, was sie tun, nicht einfach Naturnotwendigkeiten gehorcht, sondern getragen ist von Vorstellungen eines guten Lebens. Und das hat wiederum einen großen Einfluss darauf, wie beispielsweise ein Arzt einer Situation der Krankheit und der Not begegnet.
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