ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2009Mammografie-Screening: Kleine Tumoren früher entdeckt

MEDIZINREPORT

Mammografie-Screening: Kleine Tumoren früher entdeckt

Dtsch Arztebl 2009; 106(42): A-2054 / B-1758 / C-1722

Meißner, Marc

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LNSLNS Die erste Bilanz ergibt: Kleine Karzinome werden doppelt so oft entdeckt wie vor Einführung des Programms, und die Tumoren haben seltener gestreut. Ob dies auch die Sterblichkeit senkt, ist noch unklar.

Das deutsche Mammografie-Screening-Programm, das ab 2005 nach den europäischen Leitlinien aufgebaut wurde, hatte von Anfang an Kritik hervorgerufen: Zu teuer, der mögliche Nutzen werde überschätzt. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA), der den ersten Evaluationsbericht (2005 bis 2007) zu beraten hatte, sieht dies anders: Die Zweifel am medizinischen Nutzen dieses Screenings seien widerlegt. „Der Bericht unterstreicht den Mehrwert für alle Frauen, die teilnehmen“, stellte G-BA-Vorsitzender Dr. Rainer Hess fest. Hess stellte die Ergebnisse der Evaluation gemeinsam mit der Kooperationsgemeinschaft Mammografie in Berlin vor. Die Auswertung umfasst die Daten von damals 77 Screening-Einheiten. Für die flächendeckende Umsetzung des Programms haben inzwischen alle geplanten 94 Stationen ihre Arbeit aufgenommen.

Brustkrebs wird durch die Mammografie mehr als doppelt so oft wie früher im Anfangsstadium erkannt. Dies betrifft vor allem kleine Tumoren. Der Anteil der invasiven Karzinome von einer maximalen Größe bis zehn Millimeter liegt im Screening bei gut 30 Prozent (Tabelle), vor Einführung des Programmes bei circa 14 Prozent. Bei mehr als drei Vierteln (76,7 Prozent) der im Screening entdeckten invasiven Karzinome waren keine Lymphknoten befallen, vor dem Screening hatte dieser Anteil 49 Prozent betragen. „Für Frauen mit kleinen Karzinomen, die nicht metastasiert haben, ist die Prognose sehr gut“, unterstrich Dr. med. Katrin Bock, Leiterin des Referenzzentrums Mammografie Südwest.

Der höheren Rate früh entdeckter Karzinome steht allerdings auch eine hohe Zahl an Verdachtsfällen gegenüber: Mehr als fünf Prozent der Teilnehmerinnen wurden zu einer Nachuntersuchung bestellt. Dabei wurde die Diagnose Brustkrebs jedoch im Durchschnitt nur bei jeder siebten Frau bestätigt. Die Wiedereinbestellungsrate entspricht zwar den Vorgaben der europäischen Leitlinien. Das Ergebnis bedeutet aber, dass zwischen 2005 und 2007 mehr als 60 000 Frauen aufgrund eines falschen Befunds zu weiteren Untersuchungen bestellt wurden. „Wiedereinbestellung heißt, dass nach einer doppelten oder dreifachen Begutachtung ein noch zu klärender Befund da ist“, erläuterte Bock.

Zielgruppe für das Programm sind mehr als zehn Millionen Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren, die alle zwei Jahre untersucht werden sollen. Im Berichtszeitraum wurden davon knapp drei Millionen zum Screening eingeladen. „Gut 54 Prozent der Angeschriebenen ließen sich untersuchen – für die Startphase ein ziemlich guter Wert“, meint Bock. Angestrebt wird eine Teilnahmerate von mindestens 70 Prozent. Dies würde die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung mit circa 300 Millionen Euro pro Jahr belasten.

Die hohe Beteiligung wäre aber notwendig, wenn infolge der Befunde des Screening-Programms die Brustkrebsmortalität messbar sinken soll. Erwartet wird eine niedrigere Sterblichkeit durch Mammakarzinome in der Zielgruppe von bis zu 30 Prozent. Das heißt: Ohne Screening sterben von 1 000 Frauen vier an Brustkrebs, mit wären es drei. „Sichere Aussagen über die Mortalitätsraten erwarten wir aber frühestens nach zehn Jahren“, schränkt Bock ein. Aufgrund des langwierigen Krankheitsverlaufs seien valide Ergebnisse nicht vor 2015 möglich.
Dr. rer. nat. Marc Meißner

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