ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2009Patientenverfügung: Drei Grundsätze für Palliativmediziner
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Die Patientenverfügung ersetzt die Einwilligung des Patienten, wenn es dieser bedarf. Das ist nicht der Fall, wenn die vom behandelnden Arzt vorgeschlagenen oder vom Patienten gewünschten therapeutischen Maßnahmen gar nicht indiziert, weil zwecklos sind. Nicht indizierte therapeutische Maßnahmen darf der Arzt nicht ergreifen, auch wenn der Patient sie sich wünscht . . . Für Palliativmediziner gibt es meines Erachtens drei Grundsätze. Sie lauten:

1. Der Beruf des Arztes ist in einem hervorragenden Maß ein Beruf, in dem die Gewissensentscheidung des einzelnen Berufsangehörigen im Zentrum der Arbeit steht. In den entscheidenden Augenblicken seiner Tätigkeit befindet sich der Arzt in einer unvertretbaren Einsamkeit, in der er – gestützt auf sein fachliches Können – allein auf sein Gewissen gestellt ist (BverwG NJW 68/218/219).

2. Die Anerkennung der Abhängigkeit gehört ebenso zur menschlichen Existenz wie das Bestreben, sich ein selbstgestaltetes Glück zu verschaffen. Am Ende ihres Lebens bleibt den meisten Menschen aller rhetorischen Tünche zum Trotz nichts anderes übrig, als auf das Verständnis und die Barmherzigkeit derer zu vertrauen, in deren Hände sie gelegt sind. Was hier am Platz wäre, ist eher eine medizinische Tugendethik, die die Ärzte in der Kunst des rechtzeitigen und einfühlsamen Loslassens übt, als die Intonierung der immer gleichen Selbstbestimmungslitanei . . .

3. Die Ärzteschaft verfügt über unvergleichliche Kräfte, um bei dem Großteil der Menschen die Not und Angst vor dem Sterben zu lindern. Die Ärzte können den Prozess des Sterbens menschlich gestalten und ihm eine Würde verleihen, die diesem allerletzten Lebensabschnitt zumeist fehlt (Lown „Die verlorene Kunst des Heilens“, 2002; S. 224).

Dr. Peter Holtappels, Windmühlenstieg 5, 22607 Hamburg
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