ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2009Filmkalender: Im Kino andere Welten entdecken

KULTUR

Filmkalender: Im Kino andere Welten entdecken

Schuchart, Sabine

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LNSLNS Vom Aufbruch zu neuen Ufern und Rückweg in die Heimat, die keine mehr ist. Das Deutsche Ärzteblatt stellt alle vier Wochen eine Auswahl sehenswerter Neustarts vor.

Drama
Ab 15. Oktober:
Das weiße Band
Der Österreicher Michael Haneke, einer der führenden Vertreter des europäischen Kinos, hat erstmals einen explizit deutschen Stoff verfilmt – in Deutschland und mit deutschen Schauspielern. Als Thema wählte er das aufwühlende Psychogramm einer norddeutschen Gemeinde kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Dort kommt es zu Unfällen, die sich niemand so recht erklären kann. Doch je mehr davon passieren, desto stärker kristallisiert sich heraus, dass es sich dabei um rituelle Bestrafungen handelt. In einem trügerisch ruhigen Horrorszenario deckt Haneke die Grausamkeiten auf, die sich Menschen antun können. Dafür erhielt er die Goldene Palme in Cannes und für 2010 eine Oscarnominierung.
Deutschland/Östereich 2009, 144 Min. (FSK: 12)

Foto: Constantin Film
Foto: Constantin Film
Ab 22. Oktober:
Die Päpstin
Ingelheim, um 819. Dort wächst Johanna (im Bild: Johanna Wokalek mit David Wenham als Ritter Gerold ), die Tochter des fanatischen Dorfpriesters auf. Gegen den Willen des Vaters lernt sie heimlich Lesen und Schreiben und darf schließlich die Domschule besuchen. Sie wird in die Obhut Gerolds gegeben, in den sie sich unsterblich verliebt. Nach dem Überfall der Normannen trifft Johanna eine -folgenschwere Entscheidung. Als Mann verkleidet, tritt sie ins Kloster Fulda ein. Dort erlernt sie die Kunst des Heilens und wird später Leibärztin von Papst Sergius (John Goodman). Kurz darauf wird der Papst vergiftet und Johanna überraschend zum Papst gewählt. Allerdings weiß niemand, dass sie von ihrem heimlichen Geliebten Gerold schwanger ist. Sönke Wortmann inszenierte den gleichnamigen Bestseller.
Deutschland 2009, 148 Minuten

Ab 5. November:
Der Informant
Die Geschichte soll sich tatsächlich so zugetragen haben. Allerdings verpasste ihr Regisseur Steven Soderbergh zusammen mit seinem blendend aufgelegten Hauptdarsteller Matt Damon eine Reihe komödiantischer Elemente. Der adrette Biotechniker Marc Whitacre (Damon) arbeitet als Vizepräsident beim Agrarkonzern Archer Daniels Midland in Illinois, USA. Als er seinem Chef anvertraut, er habe einen sogenannten Maulwurf in der Firma entdeckt, der einen japanischen Konkurrenten mit exklusiven Nachrichten versorgt, löst er eine Lawine von Ereignissen aus. Marcs Firma schaltet das FBI ein, und das Telefon wird angezapft. Der schwergewichtige Spießer wird zum Geheimagenten. Mit Wanzen verdrahtet, tut er alles, um anderen Kollegen Geheimnisse zu entlocken.
USA 2009, 108 Minuten

Komödie
Ab 15. Oktober:
Away We Go
Ein knappes Jahr nach „Zeiten des Aufruhrs“ präsentiert Sam Mendes seinen Gegenentwurf – ein optimistisches Porträt einer jungen Familie. Mit Anfang 30 stehen Burt (komisch: John Krasinski) und Verona (ernst: Maya Rudolph) vor einer großen Zäsur, die ihr bisher sorgloses Leben kräftig durcheinander wirbeln wird. In drei Monaten wird ihr erstes Kind geboren. Als Burts Eltern durch Spontanumzug nach Europa als Ratgeber ausfallen, reist das Paar durch Amerika, besucht Freunde und Verwandte, um einen neuen Lebensraum und mögliche Erziehungshilfen zu finden. Die perfekte Familie aber begegnet ihnen nirgendwo.
USA/Großbritannien 2009, 98 Minuten

Dokumentation
Ab 22. Oktober:
Endstation der Sehnsüchte
„Am Abend, wenn die Sonne untergeht, kommt das Heimweh“ – egal, ob in Südkorea oder Deutschland: drei Frauen auf der Suche nach Heimat, die nicht mehr ihre ist. Sie haben in den 1960er-Jahren alles zurückgelassen, auch ihre Kinder, um als Gastarbeiterinnen nach Deutschland zu gehen. Sie haben sich dort perfekt assimiliert und doch immer wieder zurückgesehnt. Jetzt kehren Yong-Sook, Woo-Ja und Chun-Ja als reiche Rentnerinnen mit ihren deutschen Ehemännern nach Dogil Maeul zurück, in das „Deutsche Dorf“, das eigens für Leute wie sie errichtet wurde. Sensibel beschreibt Regisseurin Sung Hyung Cho den Kulturclash, das Älterwerden und das Wagnis des Aufbruchs.
Deutschland 2009, 97 Minuten
Sabine Schuchart

Foto: Quartino
Foto: Quartino
DVD-Tipp: Grenzen der Erkenntnis
Der Quartino-Verlag hat seine Serie mit Vorträgen prominenter Wissenschaftler diesen Herbst um das aktuelle Thema Hirnforschung ergänzt. Prof. Dr. med. Wolf Singer ist Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt/M. Der vielfach ausgezeichnete Neurophysiologe trat immer wieder mit pointierten Thesen hervor. So meldete er Zweifel an der Willensfreiheit des Menschen an und begründete dies. Im Vortrag erklärt er, dass Erkenntnis nur stattfindet, wenn wir beobachten, denkend ordnen und uns Vorstellungen machen können. Alles jenseits davon existiert nicht für uns.
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